Leichenverbrennung [2]

[475] Leichenverbrennung. – In neuester Zeit hat die Leichenverbrennung ganz erheblich an Verbreitung zugenommen (Anfang 1914 bestanden in Deutschland 40 Krematorien). Im engsten Zusammenhange damit steht es, da� f�r die Verbrennungsapparate nunmehr verschiedentlich Neukonstruktionen in Anwendung kommen. Auf diese Neukonstruktionen sowie auf Neugestaltungen von Kolumbarien und Urnenhainen, au�erdem auf einige kleinere, musterg�ltige Krematorien soll im folgenden eingegangen werden, auch auf solche f�r kleinere St�dte. F�r diese liegen die Bedingungen im allgemeinen weniger g�nstig als bei gr��eren St�dten, die �ber bedeutendere Mittel verf�gen.

Verbrennungsapparate. W�hrend in den meiden der die Leichenverbrennung gestattenden Staaten nur kurze, allgemeine Bestimmungen �ber die an die Verbrennungsapparate zu Heilenden Bedingungen enthalten sind, spricht sich »das Feuerbestattungsgesetz f�r Preu�en« in der »Anweisung zur Ausf�hrung des Gesetzes, betreffend die Feuerbestattung vom 14. September 1911« in eingehenderer Weise �ber die an die Verbrennungsapparate gesellten Anforderungen in folgenden Worten aus:

»Zur Erw�rmung der Ein�scherungs�fen d�rfen keine Brennstoffe verwendet werden, die zur Bildung von Rauch oder Ru� Anla� geben – also beispielsweise nicht Steinkohlen, Holz und andre unvergaste Brennstoffe, wohl aber Koks oder Gas.

Die Ein�scherung darf nicht durch unmittelbare Einwirkung der Brennstoffe, sondern nur in besonderen Ein�scherungskammern getrennt vom Feuerraum erfolgen. Die Verbrennungsprodukte der Feuerung d�rfen w�hrend der Ein�scherung weder in die Ein�scherungskammer direkt eintreten, noch sie mittelbar beheizen. Die Ein�scherung mu� vielmehr in der auf gen�gende Temperatur erhitzten Ein�scherungskammer unter Zuf�hrung ausreichender, hoch vorzuw�rmender Verbrennungsluft bewirkt werden. Die Verbrennung in der Ein�scherungskammer mu� vollkommen sein und in ununterbrochener Folge vor sich gehen. Dabei d�rfen keine die Nachbarschaft bel�stigende Ger�che in die Atmosph�re entlassen werden.

Zur Abf�hrung der Verbrennungsprodukte aus der Feuerung und den Ein�scherungskammern mu� ein gen�gend hoher Schornstein vorgesehen werden.«

Es wird angestrebt, diese hart erscheinenden Bestimmungen f�r die Konstruktion der Verbrennungsapparate in gemilderter Form zur Anwendung bringen zu lassen, wenigstens f�r die n�chste (Uebergangs-) Zeit.

In diesen Bestimmungen ist noch besonders bemerkenswert, da� f�r jede Ein�scherung an dem Sarge eine Tonscheibe fest anzuh�ngen ist, auf welcher eine Nummer sich eingepr�gt befindet; diese Tonscheibe, die sich in den Aschenresten wiederfindet, soll eine Verwechslung der Aschenreste unm�glich machen. (»Flamme« 1912, Nr. 6, S. 82.)[475]

Die S�rge sollen aus leichtem, d�nnem Holze (z.B. der Tanne oder Pappel) oder aus Zinkblech hergestellt sein. Deren Au�enma�e sind: L�nge 2,0 bis 2,40 m, Breite 0,6 bis 0,87 m, H�he 0,55 bis 0,80 m; gebr�uchlichste Mittelma�e: 2,25 × 0,75 × 0,65.

Von den Verbrennungsapparaten haben in Deutschland in neuester Zeit die Konstruktionen: System Rich. Schneider (Lexikon der gesamten Technik, 2. Aufl., 6. Bd., S. 122; [3], S. 111) sowohl als auch System Klingenstierna-Beck-Dorovius (Lexikon der gesamten Technik, 2. Aufl., 6. Bd., S. 121, 122; [3], S. 107) wieder Anwendung gefunden. Au�erdem ist es haupts�chlich das System Ruppmann, welches bereits in mehreren Krematorien (Stuttgart, Reutlingen, G�ppingen, Winterthur, Biel u.s.w.) zur Ausf�hrung kam. Bei diesem System wird, wie bei den meisten andern Systemen, der Sarg im Verbrennungsraum von einem Schamotterost getragen. Unter diesem Verbrennungsraum befindet sich der Nachgl�hraum, in welchem, ebenfalls hocherhitzt erhalten, die durch den Schamotterost hindurchgefallenen Ueberreste zum v�lligen Ausgl�hen gebracht werden. Der unter dem Nachgl�hraum angeordnete, ger�umige Rekuperator gibt der ihn durchstr�menden Verbrennungsluft die entsprechend hohe Temperatur. In der L�ngsrichtung des Verbrennungsraumes schlie�t sich an diesen, der T�r desselben gegen�ber, der Koksgasgenerator als senkrechter Schacht mit Rost und Aschenfall an. Ueber den Betrieb und dessen Einzelheiten dieses Systems enth�lt ein Protokollauszug verschiedene, auch allgemein wissenswerte Angaben nach den Aufzeichnungen des Stuttgarter Hochbauamts II bei Beobachtungen an einem Apparat System Ruppmann im Stuttgarter Krematorium bei 48 Leichenverbrennungen in der Zeit vom 20. Juli bis 18. September 1909.,([3], S. 116 und 117.) Hiernach dauerte das Anheizen durchschnittlich 2 Stunden 54 Minuten; Lockfeuer im Kamin war unn�tig. Die durchschnittliche Dauer einer Verbrennung betrug 1 Stunde 33 Minuten, die k�rzeste 1 Stunde 10 Minuten, die l�ngste 2 Stunden 30 Minuten. An Brennmaterial waren f�r eine Verbrennung durchschnittlich 207 kg Stuttgarter Gaskoks und 2 kg Anz�ndholz erforderlich. Der Koksverbrauch betrug an vier Tagen mit drei Verbrennungen durchschnittlich f�r eine Verbrennung 125 kg, an sechs Tagen mit zwei Verbrennungen durchschnittlich f�r eine Verbrennung 193 kg, an 20 Tagen mit einer Verbrennung durchschnittlich f�r eine Verbrennung 265 kg. Dunkler Rauch zeigte sich an der M�ndung des Kamins bei jeder Verbrennung durchschnittlich 4–4,5 Minuten lang, somit w�hrend der Zeit, innerhalb welcher der Sarg verbrannte. Grauer Rauch war 5,5–6 Minuten zu bemerken. Die Zugst�rke betrug durchschnittlich, unmittelbar vor Einfahrt der Leiche in den Ofen, 11,3 mm Wassers�ule und unmittelbar nach Beendigung der Verbrennung 10,8 mm Wassers�ule. Die erreichten Temperaturen sind in nachstehender Tabelle zusammengestellt; s�mtliche Messungen wurden mittels Thermoelementen vorgenommen.


Leichenverbrennung [2]

Die H�chsttemperaturen betrugen im Verbrennungsraum 1120� C, im Luftkanal links 560�C, im Luftkanal rechts 540� C. – Die Temperatur im Verbrennungsraum darf �ber 1100� C. nicht gesteigert werden wegen des alsdann eintretenden Sinterns der Knochen, welche dabei eine feste, glas�hnliche Struktur von dunkelbrauner F�rbung annehmen.

In den bisherigen Ein�scherungsapparaten mit Schamotterost erfolgte die Bewegung der hocherhitzten Verbrennungsluft durch den Verbrennungsraum in der Richtung von oben nach unten, so da� also die Verbrennungsluft zuerst die oberen Partien des Sarges und des Leichnams trifft und die gebildeten Flammen und Abgase durch den Schamotterost hindurch nach unten in die Abzugskan�le abziehen. Bei dem neuen Verbrennungsapparat des schwedischen Ingenieurs Kn�s, in Stockholm in Betrieb, wird die in einem Rekuperator hocherhitzte Verbrennungsluft von unten nach oben durch den Verbrennungsraum gef�hrt. Es soll diese Anordnung ebenfalls gute Resultate erzielen lassen. Die Anordnung der einzelnen Teile dieses Verbrennungsapparates (Verbrennungsraum, Rekuperator, Koksgasgenerator) und deren Stellung zueinander sind im allgemeinen die gleichen wie bei den Systemen Beck und Schneider; bei dem System Kn�s dienen zwei Schamotteschieber dazu, der Flamme die entsprechende Richtung zu geben.

Au�er den festen (Koks) haben auch gasf�rmige Brennmaterialien f�r Verbrennungsapparate Verwendung gefunden. Besonderes Interesse erweckt ein Verbrennungsapparat, welcher, von Toisoul, Fradet & Cie. in Paris konstruiert, mit Leuchtgas betrieben, in Dessau zur Ausf�hrung gekommen ist, nachdem in Paris selbst und andern St�dten Frankreichs gleiche Verbrennungsapparate bereits im Betriebe waren. Die Fig. 1 l��t ohne weiteres erkennen, da� dem Verbrennungsraum b der sonst vorhandene Schamotterost fehlt; die Verbrennung wird hier auf einer Metallplatte vollzogen. Diese Metallplatte bleibt w�hrend der Verbrennung im Verbrennungsraum, auf L�ngsrippen der Sohle desselben gelagert, in welchen sie mittels eines Wagens auf Tragarmen eingebracht wurde, der nach dem Absetzen der Platte zur�ckgefahren[476] wird, nachdem die Tragarme zwischen den L�ngsrippen des Bodens des Verbrennungsraums herabgesenkt worden sind. Die auf der Platte verbleibenden Ueberreste werden, nach entsprechender Abk�hlung, von der Platte in die Aschenkapsel �berf�hrt. An der einen Stirnseite des mit den Schau�ffnungen e versehenen Verbrennungsraums b ist die Sargeinf�hrungst�r g mit doppeltem Verschlu� angeordnet, w�hrend sich an der andern Stirnseite die einzeln regulierbaren Brenner c f�r das Gas in einer Nische sich vereinigt finden, die mittels einer T�r abschlie�bar ist. Die Einzelbrenner erhalten das Gas aus der gemeinsamen Leitung l. Unter dem Verbrennungsraum liegt der zur Erhitzung der Verbrennungsluft dienende Rekuperator; er stellt sich als ein System von Kan�len h dar, von welchen die sehr hoch erhitzten mit Schamotteplatten, die �brigen mit Eisenplatten abgedeckt sind. Bei m tritt die Verbrennungsluft, vorerst in kleinen Vertikalsch�chten abw�rts geleitet, in dieses Kanalsystem regulierbar ein, durchstr�mt einen Teil der Kan�le h und gelangt, durch kleine Vertikalkan�le j von dem obersten Hei�luftkanal i aus, nach dem Verbrennungsraum, in welchem sie, durch die kleinen Kan�le d verteilt, von den L�ngsseiten auf Sarg und Leichnam einwirkt. Die Verbrennungsprodukte gelangen durch die Oeffnungen f des Verbrennungsraumes in zwei vertikale Kan�le, welche sie nach dem untersten, mit Schamotteplatten abgedeckten Kanal des Rekuperators f�hren. Von hier aus steigen sie nach oben und kehren durch einige der Kan�le h zur�ck, um in einem gemeinsamen Kan�le nach dem Schornstein zu gelangen. Die Verbrennungsluft wird also in diesem Verbrennungsapparat nicht im reinen Gegenstrom erw�rmt. Die Schwierigkeiten, die fr�her einen einwandfreien Betrieb nicht erzielen lie�en, gelten als �berwunden.

Au�er den festen und gasf�rmigen sind auch fl�ssige Brennmaterialien f�r den Betrieb von Verbrennungsapparaten in Anwendung gekommen; in den Vereinigten Staaten von Nordamerika schon seit l�ngerer Zeit. In Deutschland, wo man h�here Anspr�che bez�glich der Piet�t u.s.w. an die Leichenverbrennungsapparate stellt, hat man erst in neuerer Zeit die Benutzung von fl�ssigen Brennmaterialien versuchsweise vorgenommen, ist aber bisher zu g�nstigen Resultaten noch nicht gelangt. Es handelt sich hier besonders um die Erzielung eines zuverl�ssigen, sicheren Betriebes, der auch durch Ger�uschlosigkeit sich auszeichnet und die Empfindung und den Eindruck des Fabrikm��igen nicht aufkommen l��t. W�hrend in der Industrie l�ngst Oelfeuerungen und Teerfeuerungen f�r Befeuerung von Dampfkesseln u.s.w. sich in einwandfreiem Betriebe befinden, fehlen uns solche Feuerungen noch f�r Leichenverbrennungsapparate.

Schlie�lich hat man auch f�r die Leichenverbrennungsapparate die Anwendung des elektrischen Stromes ins Auge gefa�t. Von der Soci�t� pour la propagation de l'incin�ration in Paris erging 1908 die Aufforderung zur Einreichung von Projekten, Pl�nen und Modellen f�r Leichenverbrennungsapparate, deren Betrieb unter Benutzung des elektrischen Stromes oder einer andern W�rmequelle erfolgt [4], 1908, S. 174; 1909, S. 102. Die haupts�chlichsten, von den allgemeinen mehr oder weniger abweichenden Bedingungen f�r die einzureichenden Projekte lauteten: »Die Verbrennung soll mit Hilfe von Elektrizit�t oder einer anderen W�rmequelle erfolgen. Die Ein�scherungsdauer bei den Leichen Erwachsener, die bei den gegenw�rtigen Systemen im Mittel eine Stunde betr�gt, soll betr�chtlich herabgesetzt sein. Der Apparat mu� es gestatten, mehrere Ein�scherungen ohne Unterbrechung auszuf�hren. Die Betriebskosten und ebenso die Erhaltung und Amortisation des Apparates m�ssen so niedrig als m�glich sein. Der Apparat mu� leicht zu erhalten und zu behandeln sein. Der Ein�scherungsvorgang mu� auf schickliche Weise erfolgen und die Leiche in einem Holzsarg verbrannt werden k�nnen.«

Diese Bestrebungen haben aber zu einer Anwendung bei Leichenverbrennungsapparaten noch nicht gef�hrt. Im allgemeinen d�rfte der Benutzung des elektrischen Stromes als W�rmequelle aber noch immer dessen erhebliche Kosten das gr��te Hindernis sein. (D.R.P. 244887.) Au�er den Vorschl�gen f�r Verbrennungsapparate mit Oelfeuerung und f�r solche, welche die[477] elektrische Energie zur Erzeugung der erforderlichen Temperatur der Verbrennungsluft benutzen, liegen auch bereits weitere neue Ofenprojekte als D.R. Patente vor, welche einerseits zwar ebenfalls Rekuperatoren zur Lufterhitzung vorsehen, jedoch in andrer Weise als es bisher geschah, anderseits aber sich der Regeneratoren bedienen, wie dies beim ersten deutschen Verbrennungsapparat (Gotha) der Fall ist; Rekuperatorerhitzung besitzt z.B. der Ofen nach D.R.P. 263725. Bei diesem Verbrennungsapparat besteht die Neuerung in der Anordnung getrennter, aber miteinander in Verbindung zu bringender Rekuperatoren f�r das Gas des Generators und f�r die Ein�scherungsluft. Au�erdem sind Abgasabz�ge in zwei verschiedenen H�hen vorgesehen: in der H�he der Schamottel�ngstr�ger direkt an der T�r des Ein�scherungsraumes und ferner im Nachgl�hraum in der N�he der Aschensammelpfanne. Die Schamottel�ngstr�ger sind dabei hohl ausgebildet f�r die Verteilung der hocherhitzten Verbrennungsluft und haben Ausstr�mungs�ffnungen nach unten. (Patentanspr�che u. Abb.: Patentblatt 1913, 24. Sept., Nr. 39, S. 1924.)

Einen Verbrennungsapparat mit Regeneratoren und einem Gaserzeuger zeigt das D.R.P. Nr. 258066. Dieser Ofen arbeitet mit wechselnder Richtung der Gas- und Luftstr�me, d.h. er hat den Vorzug, da� die Ein�scherung in einem Hei�tluftstrom erfolgt, der sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben wirken kann. Die Erw�rmung der Regeneratoren wird dabei durch Zuf�hrung von Generatorgas zu den aus dem Ein�scherungsraum in die Regeneratoren abstr�menden Gase bewirkt, so da� es unm�glich ist, da� empyreumatische Gase dem Schornstein entstr�men. (Patentanspruch u. Abb.: Patentblatt 1913, 16. April, Nr. 16, S. 762.)

Ein weiterer Vorschlag ist erfolgt zur l�ngst angestrebten Abk�rzung der Verbrennungsdauer, indem eine der Verbrennung im Ofen vorausgehende Behandlung des Leichnams in einem Kanal, in welchem hei�e Luft entgegenstr�mt, vorgenommen werden soll [5], 1912, S. 53. Dieser und �hnliche Vorschl�ge verbieten eine Ausf�hrung aus leicht begreiflichen Gr�nden von selbst.

Von Sargeinf�hrungsvorrichtungen wurden mehrere Neuerungen bekannt, so z.B.D.R.P. Nr. 263783, 267547, 267548.

Mit dem Betriebe der Verbrennungsapparate eng verbunden ist der Schornstein zur Zugerzeugung. Da nun einerseits ein niedriger Schornstein zu geringe Zugst�rke besitzt, anderseits ein hoher Schornstein mit gro�er Zugst�rke dem Aeu�ern des Krematoriums ein f�r vorliegende Zwecke wenig g�nstiges Aussehen verleiht, so ist man auch zur Anwendung des k�nstlichen Saugzugs (mit elektrischem Betrieb, Frankfurt a.M.) geschritten, beschr�nkt sich aber in der Benutzung desselben auf die Zeiten des durchaus n�tigen Bedarfs wegen der verh�ltnism��ig hohen Kosten.

F�r L�sung des Problems: Anwendung eines niedrigen, nicht auff�lligen Schornsteins von vollkommen gen�gender H�he, der leicht zu verdecken ist und beim Anblick des Krematoriums den Charakter eines fabrikm��igen Betriebes nicht aufkommen l��t, kommt auch bereits ein Projekt in Betracht, welches eine abweichende, geeignete Disposition ben�tzt.

Krematorien. – Im allgemeinen werden gefordert: 1. eine Versammlungs- oder Einsegnungshalle (v�llig geschlossen) von ca. 100 qm zur Abhaltung der Trauerfeier mit Gest�hl oder B�nkereihen. Daran anschlie�end, meistens dem Eingange gegen�ber, 2. eine Apsis oder Nische, ca 50 qm, mit erh�htem Podium f�r die Kanzel oder die Rednerb�hne sowie Katafalk mit Versenkung; Orgel- (Harmonium-) Empore �ber dem Podium oder der niedrig gehaltenen Vorhalle; 3. Warteraum f�r die Leidtragenden neben der Einsegnungshalle; 4. ein Raum f�r den Geistlichen, am bellen von der Vorhalle aus zug�nglich; 5. getrennte Bed�rfnisanstalten, ebenfalls neben der Vorhalle oder in einem kleinen Nebengeb�ude; 6. Leichenaufbewahrungsraum (f�r 1–3 S�rge); 7. bei obligatorischer Leichenschau: mehrere Leichenkammern, ebenfalls im kleinen Nebengeb�ude. Im Untergescho� des Hauptgeb�udes: 1. Ein�scherungsraum mit 1 oder 2 event. 3 Oefen; 2. Versenkungsraum mit Schiebeb�hne event. Drehb�hne nebst Luft- oder Oelpumpe f�r die Versenkung. Im Hintergrund oder an der Seitenwand: eine mit Gel�nder versehene erh�hte B�hne, von welcher aus Mitglieder der Trauerversammlung, mit Erlaubnis der Angeh�rigen, der Verbrennung selbst beiwohnen k�nnen; 3. Aschenkapsel-Aufbewahrungsraum event. Leichenkammer; 4. Raum f�r Heizer und W�rter; 5. Sargmagazin und Ger�teraum; 6. Lagerraum f�r Brennmaterial. F�r den Hausmeister einer gr��eren Anlage, in welcher er st�ndig anwesend sein mu�, Wohnung mit Gesch�ftszimmer in einem Nebengeb�ude. Die Geb�ude sind gegen Grundfeuchtigkeit bestens zu isolieren und mit Hohlr�umen, Luftschichten und Kan�len zu umgeben. Bei Herstellung der W�nde und Fu�b�den der R�ume ist auf die n�tige, �ftere Desinfektion besonders R�cksicht zu nehmen. In den R�umen mu� die peinlichste Sauberkeit herrschen. Deshalb: Mauern in Zement; die W�nde der Leichenhalle mit Kacheln, glasierten Platten belegt oder mit Porzellanemailfarbenanstrich versehen. Decken massiv; Holz h�chstens zu Wandbekleidungen benutzt. Fu�b�den: Zementestrich, Mettlacher Platten oder Terrazzo; in R�umen f�r das Trauergefolge: aus hartem Holz, in Asphalt auf Beton gelagert (Linoleum).

F�r die �u�ere Gestaltung des Krematoriumgeb�udes soll die Verk�rperung des Verbrennungsgedankens in den Formen einer idealen Monumentalarchitektur erreicht werden. Eine Leichenverbrennungshausanlage mu� auch im ganzen einen feierlichen Eindruck hervorrufen, dabei aber ihr interkonfessioneller Charakter volle Ber�cksichtigung finden und deshalb keineswegs irgendeinen ausgepr�gt kirchlichen Stil zum Ausdruck bringen. Bei gr��eren Anlagen, f�r welche hohe Baukosten der Ausf�hrung kein Hindernis bereiten, ist das erstrebte Ziel unschwer zu erreichen. Anders liegen die Verh�ltnisse, wenn nur �ber verh�ltnism��ig geringe Mittel verf�gt werden kann. Von diesen kleineren Krematorien, bei welchen ebenfalls den gestellten Anforderungen gen�gt werden soll, sind diejenigen in Mainz und in Mannheim zu nennen, die sich als besonders beachtenswert darstellen und durch die Abbildungen in Ansichten, Vertikalschnitten und Grundrissen wiedergegeben sind. Die Mainzer Anlage (Fig. 2) ist ein massiver Sandsteinkuppelbau mit vier Seitenbauten. Eine Freitreppe aus 16 Granitstufen f�hrt zu dem von vier Sandsteins�ulen getragenen, 2 m �ber Gel�ndeh�he sich erhebenden Portikus, welcher von[478] dem erh�hten Kuppelbau der Haupthalle �berragt wird. An letzteren, von 7 × 7 m, schlie�en sich vorn und an den beiden Seiten Nischenbauten von 6 × 2,5 m an, w�hrend der hintere Anbau sich zu einer Apsis von 6 × 6 m erweitert, welche die Versenkungsvorrichtung enth�lt. Rechts und links von der Apsis befinden sich zwei weitere R�ume, von denen einer f�r die Damen und einer f�r den Geistlichen und das Harmonium bestimmt ist. Diese Nebenr�ume �ffnen sich mit beiden T�ren nach der Apsis. Dem Kuppelbau von au�en entspricht auch im Innern eine Kuppel, welche in der Mitte ein rundes Oberlicht (2,5 m Durchmesser) aus buntem Glas besitzt. Die beiden Seitenanbauten der Halle enthalten Urnennischen. In den Untergeschossen R1 und R2 (R1 im Grundri� besonders dargestellt), sind bei A, A1 und A2 die Ein�scherungs�fen zu ersehen, w�hrend C die Versenkung bezeichnet. R2 ist der Raum, in welchem die Aschenentnahmen stattfinden und die Bedienung der Gasgeneratoren-Roste erfolgt. – Der Mannheimer Anlage (Fig. 3) fehlen seitliche Anbauten; sie hat nur vorgelagerten, ebenfalls erh�hten Portikus und auf der andern Stirnseite der Haupthalle (mit Satteldach) die abschlie�ende Apsis.

Wenn die Grundwasserh�he oder andre Ursachen eine entsprechend tiefe Gr�ndung des Hauptgeb�udes, wie sie f�r die Aufstellung der Ein�scherungs�fen im Untergescho� erforderlich w�rde, verhindern, so werden die Oefen in einem Nebenraum oder in einem Nebengeb�ude untergebracht (z.B. in St. Gallen, sowie in verschiedenen amerikanischen Anlagen, u.s.w.), das mit der Apsis des Hauptgeb�udes in gesch�tzter, direkter Verbindung steht. Der Sarg wird dann nach der Beendigung der Feier durch eine mit Vorhang versehene T�r der Nische (Apsis) auf gleichem Niveau aus der Einsegnungshalle nach dem Ofenraum gebracht. Eine solche Disposition w�hlt man jedoch ungern und nur aus zwingenden Gr�nden.

Eine andre, jedoch nicht zu empfehlende Anordnung f�hrt zur vollst�ndigen Trennung der Einsegnungshalle vom Verbrennungsraum, wie sich solche finden in M�nchen, Ostfriedhof ([5], 1913, S. 182); in Ulm ([4], 1906, S. 184) und in Jena ([7], 1905, 5. Heft, S. 146). Hier war diese Trennung wegen der bereits bestehenden Halle vorgeschrieben gewesen. F�r die Krematoriumsanlage in Kassel wird ebenfalls eine solche Anordnung gew�nscht ([5], 1913, S. 182).[479]

Kolumbarien. – Auch in der Entwicklung von Kolumbarienbauten ist ein Fortschritt zu verzeichnen. Sie werden sowohl als selbst�ndige Bauten ausgef�hrt, bis jetzt meistens in bescheideneren Abmessungen, w�hrend f�r umfangreichere Bauwerke verschiedene Projekte vorliegen (»Flamme« 1912, Nr. 20, S. 312), als auch im engeren Zusammenhange mit Krematorien. Vielfach wurden fr�her geeignete W�nde der Krematorien selbst zur Aufstellung von Urnen und zur Aufbewahrung von Aschenkapseln eingerichtet; in neuerer Zeit steht man davon ab. Man fand, da� es vorzuziehen sei, den Ueberresten Einge�scherter einen Ruheplatz in einem R�ume, an einem Orte zu gew�hren, welcher keinerlei anderm Zwecke dient. Ueberdies waren die wenigen Nischen und Standorte bald besetzt und ihre Herstellung verh�ltnism��ig teuer. Bez�glich der Aufbewahrung von Ueberresten Einge�scherter bestimmen die betreffenden Gesetze der meisten Staaten, da� dieselben an hierf�r besonders vorgesehenen und hergerichteten St�tten zu erfolgen hat. Jedoch ist es z.B. in Hamburg gestattet, Aschenreste auch au�erhalb der gemeinsamen hierf�r bestimmten Pl�tze, also auch im eignen Hause oder Garten, aufzubewahren.

Deshalb war es f�r mehrere St�dte notwendig, welche noch kein Krematorium besa�en, insbesondere, weil die beh�rdliche Genehmigung zur Erbauung oder zum Betriebe versagt wurde, zur Errichtung selbst�ndiger Kolumbarien zu schreiten, um den Aschenresten ausw�rtig Einge�scherter eine St�tte der w�rdigen, gemeinsamen Aufbewahrung zu bieten. F�r diese Kolumbarien wurde meist die Form eines Zentral-(Kuppel-)Baues gew�hlt, in dessen W�nden die Nischen angeordnet sind, entweder offen und von gr��erer Abmessung, wenn sie zur Aufnahme von Urnen, oder geschlossen und von kleiner Abmessung, wenn sie zur Aufnahme von Aschenkapseln bestimmt wurden (Stettin [5], 1910, S. 6273; Berlin [5], 1911, S. 4). – Wird das Kolumbarium in Verbindung mit einer Ein�scherungsanlage errichtet, so schlie�t es sich entweder direkt an dasselbe an (geradlinig oder in Hakenform) oder es umgibt in mehr oder weniger weitem Abstand diese Anlage in Kreis- oder Rechteckform, sich nach der Eingangsseite �ffnend, meist einen kleinen Garten als Urnenfriedhof umfassend. Eine Verbindung des Kolumbariums mit dem Krematorium kann auch in andrer Form erfolgen (z.B. in Leipzig teilweise unterirdisch).

Die einzelnen Zellen der Kolumbarien f�r je eine Aschenkapsel haben als Abmessungen vielfach 28 × 28 × 48 cm. Die Doppelzellen der Heidelberger Kolumbarien, z.B. 55 × 50 × 35 cm, sind durch Blechw�nde voneinander getrennt. Die Verschlu�platten dieser Zellen werden durch Rosettenscheiben an kleinen Leichenverbrennung [2]-Eisen der Wandkanten befestigt. F�r die Verschl�sse kommen Platten von Marmor, Metall, Glas u.s.w. zur Verwendung, auf welchen die Inschriften Platz finden. In Mailand verlegt man die Marmorverschlu�platten in Zement, also luftdicht. Sarkophag�hnliche Tonkapseln von 44 × 26 × 23 cm lichten Weiten verwendet man unter anderm in Mannheim.

Urnenhaine. – Aschenbeisetzungsst�tten werden in neuerer Zeit, den erweiterten Anforderungen entsprechend, in erheblich gr��erer Ausdehnung angelegt als fr�her. Meist umgeben sie ein Krematorium oder ein Kolumbarium. Die Anordnung und Gestaltung dieser Beisetzungsst�tten erfolgt meist im engsten Zusammenhange mit den beistehenden oder neu anzulegenden allgemeinen Friedh�fen. Auch auf diese verwendet man hinsichtlich ihrer Form und des von ihnen gebotenen Bildes mehr Sorgfalt als fr�her, um den angestrebten Eindruck auf die Besucher in erh�htem Ma�e zu erzielen. Diese Bestrebungen f�r die zweckentsprechendere Ausgestaltung und zur Erh�hung der hervorzurufenden Stimmung der Besucher solcher St�tten gaben Anla� zur Schaffung einer besonderen Friedhofskunst. Und gerade die Urnenhaine sind es, welche die angestrebte Wirkung durch ihre Mannigfaltigkeit der Anordnung auf die sch�nste Weise erzielen lassen. – Die Beisetzungsstelle selbst wird dabei als Einzelerdaschengrab oder als Reihengrab, als gemauerte Aschengruft im Freien (unterirdisch als auch oberirdisch) oder als Urnendenkmal f�r einzelne oder f�r mehrere (bis zu 100) Urnen, als Felsaschengruft u.s.w. in reizvollster Abwechslung angeordnet, die bei der Ausbildung der ganzen Anlage als »Hain« durch die ausgedehnte Benutzung eines Koniferenbestandes seinem Zwecke auf das beste entspricht [17].


Literatur: [1] Heil, Karl, Die Feuerbestattungsliteratur, Zusammenstellung, Darmstadt 1912. – [2] Fayans, Stephan, Handbuch der Architektur, 4. Teil, 8. Halbbd., Heft 3, Bestattungswesen, Stuttgart 1907. – [3] Beutinger, E., Handbuch der Feuerbestattung, Leipzig 1911. – [4] »Ph�nix«, Bl�tter f�r fakultative Feuerbestattung und verwandte Gebiete, seit 1891 Wien VII (fr�her Darmstadt). – [5] »Die Flamme«, Zeitschrift zur F�rderung der Feuerbestattung im In- und Auslande, Berlin seit 1884. – [6] Weigt, K., Almanach der Feuerbestattung, Hannover 1909. – [7] Heepke, Wilh., Die modernen Krematorien Deutschlands, »Die Kirche,« Zentralorgan f�r Bau, Einrichtung und Ausstattung der Kirchen, Gro�-Lichterfelde-W., 2. Jahrg., Februar 1905, 5. Heft. – [8] Kratter, Julius, Leichenwesen einschl. der Feuerbestattung, Handbuch der Hygiene, Bd. II, Leipzig 1912. – [9] M�ller, Georg, Empfiehlt sich f�r kleinere Stadtgemeinden die Errichtung von Krematorien? Bernburg 1913. – [10] »Die Feuerbestattung«, herausgeg. v. Ver. s. Feuerbestattung, Leipzig 1909. – [11] »Die Feuerbestattung«, herausgeg. v. Ver. s. Feuerbestattung »Urne«, Dresden 1909. – [12] Jahrbuch d. Verb, der Feuerbestattungsvereine deutscher Sprache, Verbandsangelegenheiten, 101 Fragen und Antworten �ber den Bau und Betrieb von 26 Krematorien im deutschen Sprachgebiet, Heilbronn 1911. – [13] Dass., Verbandsangelegenheiten, Gesetzliche Bestimmungen in den deutschen Staaten in betreff der Feuerbestattung, deutsche Krematorien, Heilbronn 1912. – [14] Brackenh�ft, E., Krematorium und Urnenfriedhof in Hamburg, Hamburg 1907. – [15] Heim, A., Ueber die Methoden der Feuerbestattung und die Einrichtung des Krematoriums Z�rich, Z�rich. – [16] Krafft, Gustav, La Cr�mation, Lausanne 1907. – [17] Hannig, Georg, Der Friedhof und seine Kunst, Berlin 1908. – [18] H�gg, Der Urnenfriedhof, Ergebnis eines Wettbewerbs, Dresden 1913.

Paul Freygang.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2., Fig. 3.
Fig. 2., Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 475-481.
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