tummelte sich seit Mitte der sechziger Jahre in der Berliner Studentenbewegung, die sich nach dem gewaltsamen Tod Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967 und dem Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 radikalisierte. Spätestens in diesen Tagen diskutierte die Außerparlamentarische Opposition über militante Aktionen gegen Staat und Gesellschaft.
Ein Fanal - Gewalt gegen Sachen hieß das damals - war schon kurz vor dem Dutschke-Attentat am 2. April 1968 in einem Frankfurter Kaufhaus gesetzt worden. Die Brandstifter - unter ihnen Andreas Baader und Gudrun Ensslin - wurden gefaßt und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Vor Strafantritt tauchten die beiden unter.
Bei einer Fahrzeugkontrolle in Berlin wurde Baader im April 1970 festgenommen; im Auto saß auch Homann. Er kannte Baader seit Jahren aus der Berliner Künstlerszene.
Sechs Wochen später durfte der Häftling Baader zu einem Gespräch über ein geplantes Buch Ulrike Meinhof im Berliner Institut für Soziale Fragen treffen. Trotz Bewachung durch Justizbeamte wurde er von der späteren Kerntruppe der Baader-Meinhof-Gruppe freigeschossen. Der Angestellte Georg Linke erlitt lebensgefährliche Verletzungen - erstes Opfer des Terrorismus im Nachhall zur Studentenrevolte.
Befreier und Befreiter flohen in den Nahen Osten, um von den Palästinensern für den »revolutionären Kampf in Westeuropa« zu lernen: Baader, dessen Anwalt Horst Mahler, Gudrun Ensslin, Meinhof, Astrid Proll und etwa 20 Sympathisanten der Gruppe.
Dabei im jordanischen Camp war auch Homann, der in Deutschland nach der Gefangenenbefreiung wegen versuchten Mordes auf den Fahndungsplakaten stand, weil er zunächst für den Schützen im Institut gehalten wurde, obwohl er bei der Befreiungsaktion nicht dabeigewesen war.
Plötzlich fand sich Homann ganz oben auf der Fahndungsliste wieder und beschloß, mit den Gruppenmitgliedern gemeinsam unterzutauchen: »Ich ging davon aus, daß Polizei und Justiz den wahren Sachverhalt nicht schnell würden klären können«, so Homann in einem SPIEGEL-Gespräch 1971.
Von den Palästinensern wollten die Deutschen in der Wüste das Handwerk der Guerrilla lernen: schießen, Handgranaten werfen, Banken ausrauben.
Homann setzte sich schon nach wenigen Tagen von der Gruppe ab und wohnte separat. Er konnte mit der Revolutionsromantik der Stadtguerrilla nichts anfangen; politische Diskussionen waren sowieso nicht mehr erwünscht. Homann wurde als Verräter betrachtet. Baader und Ensslin wollten ihn sofort töten, »ich war strikt dagegen«, behauptet Mahler heute.
Vor kurzem gab der - inzwischen wieder zugelassene - Anwalt Mahler der ZEIT ein Interview über die lange verschwiegenen Ereignisse im Palästinenser-Camp: einer von vielen Gedenkartikeln auch in anderen Blättern, da sich der Ohnesorg-Tod (zum 30. Mal) und die Morde an Buback, Ponto und Schleyer (zum 20. Mal) jähren. Mahler legte dar, eine »schlimme Auseinandersetzung« um den abtrünnigen Homann sei das damals in Jordanien gewesen, für ihn ein Zeichen »faschistischer Strukturierung innerhalb der Gruppe«.
Auf Mahlers Erinnerungen antwortet Homann in seinem SPIEGEL-Beitrag. Er, der bisher dazu öffentlich nichts gesagt hat, erzählt die Geschichte im Camp 1970 aus seiner Sicht, allerdings in der dritten Person, als »der zu Exekutierende«.
»Was der Anwalt heute sagt, ist nur die halbe Wahrheit«, meint Homann. Mahler habe vielmehr für einen Schauprozeß mit einem richtigen Urteil vor einem »Volksgericht« plädiert, dessen Vorsitz er dann übernommen habe.
Das gemeinsam gefällte Todesurteil wurde nicht vollstreckt: Die Palästinenser hatten davon erfahren und den Deutschen die Waffen weggenommen. Wenig später mußten sie das Lager Richtung Heimat verlassen.
Homann stellte sich 1971 der deutschen Polizei. Die Anklage wegen versuchten Mordes wurde fallengelassen. Heute lebt Homann, 60, als Journalist bei Hamburg.