Abstract
Als Gottfried Wilhelm Leibniz am 21. Juni 1646 in Leipzig das Licht der Welt erblickte, fanden in Münster und Osnabrück gerade die Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges statt, die dann 1648 im Westfälischen Frieden den Schlusspunkt der wohl bis dahin größten Katastrophe in der deutschen Geschichte setzten. Golo Mann hat diese beiden »westfälischen Städte Münster und Osnabrück […], jene als Residenz der Katholiken, diese der Protestanten«, als »Inseln der Sicherheit und prassenden Wohlstandes in einem Meer von Elend« bezeichnet (Mann 1991, 220). Leibniz wird in die Nachkriegszeit dieses bis dahin in seinen Auswirkungen verheerendsten Krieges der europäischen Geschichte hineingeboren : »Die Folgen waren schlimm für Millionen leidender, gemarterter menschlicher Individuen. Sie waren auch schlimm für das Kollektivwesen, genannt Nation, in ihrem Zusammenleben und Wettkampf mit anderen Nationen« (ebd., 228).