Bioethik und die ‚neue‘ Eugenik

In Liberale Eugenik?: Kritik der selektiven Reproduktion. Stuttgart: J.B. Metzler. pp. 65-78 (2021)
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Abstract

Die Entstehung der Bio- bzw. Medizinethik wird in Kap. 3 skizziert. Während die Geburt dieser recht jungen Disziplin häufig als eine Reaktion auf grobe Verfehlungen der Wissenschaft und Medizin erachtet wird, zeigt sich hier eine bisher wenig beachtete Verbindung: die zwischen den Ursprüngen der Bioethik und den Ausläufern des eugenischen Denkens in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Obgleich die frühen Bioethiker maßgebend für die Entwicklung forschungsethischer Standards waren, wird gerade bei ihnen die Langlebigkeit eugenischen Gedankengutes sichtbar. Die in der frühen Bioethik verhandelten Visionen zur genetischen Einflussnahme waren zwar weitgehend befreit von autoritären Zügen, blieben aber weiterhin einem kollektivistischen Denken verhaftet. Erst mit den 1980er Jahren vollzog sich schließlich der Übergang vom Kollektivismus zum Individualismus und somit die Wende hin zur liberalen Eugenik.

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