Abstract
Es fällt nicht leicht, Barthesʼ Verhältnis zu Marx und zum Marxismus auf einen Begriff zu bringen. Zwar fehlt in keiner Biographie der Hinweis auf die prägende Begegnung mit Georges Fournié, einem Widerstandkämpfer des Zweiten Weltkrieges, der ihm in der gemeinsamen Zeit im Schweizer Sanatorium Marx und Trotzki nähergebracht hat. Auch greift Barthes in seinen frühen Schriften an entscheidenden Stellen häufig auf marxistisch konnotierte Begriffe wie ‚Entfremdung‘ und ‚Verdinglichung‘ zurück und versteht sich selbst als Kritiker der bürgerlichen Ideologie. Dennoch scheint es allenfalls ‚marxisierende‘ Komponenten in den Texten von Barthes zu geben. Dafür spricht nicht zuletzt die durchgehend semiologische Perspektive, aus der sich Barthes allen gesellschaftlichen Phänomenen nähert und die ihn in eine offene Distanz zum ökonomischen Primat der marxistischen Orthodoxie bringt.