Abstract
In diesem Beitrag geht es um die Betrachtung des SARS-CoV-2-Virus als machtvolles Naturphänomen aus der Sicht einer phylogenetisch überformten Kultur und ihrer Wirksamkeit. Ausgangspunkt dieser Zuwendung ist die These, dass Phänomene des Umgangs mit dem SARS-CoV-2-Virus als Aktivitäten eines affektiven Symbolisierungsprozesses betrachtet werden können, also ähnlich jenen für ein Totem. Der Text sucht nach Spuren dieses Prozesses, registriert Eindrücke und Abdrücke im Kontext des Virus und des Totems. Daraus ergeben sich Annäherungen, Überblendungen, Abweichungen und Differenzen im Hinblick auf den Pandemie-Diskurs. Der Beitrag schraffiert somit Grauzonen, die Bild und Begriff des Totems nicht starr justieren, sondern als Suchbild offenhalten. Veränderungen sollen sich auf diese Weise erkennen lassen und zu einem prozessualen Verständnis von Totem und Pandemie beitragen. Dies wird an zwei Beispielen erläutert. Beispiel (1) fragt nach der Alltagsbezeichnung Corona im Insgesamt des Pandemiegeschehens. Hier wird der Mensch als homo narrator herausgestellt, der nach Sprechweisen sucht, die sein Verhältnis zur Natur (-geschichte) und ihrer Wechselwirkung auf die Kultur (-geschichte) adäquat, d.h. abstrahierend und anschaulich auszudrücken vermögen. In Anerkennung der Grenzen dieses Ansinnens thematisiert Beispiel (2) die Abbildungspraxis mit ihren symbolischen Ausprägungen. Aus den Überschneidungen und Abweichungen mit totemistischen Praktiken werden neue performative Ausprägungen erkennbar.