In Anke Detken, Tom Kindt & Kai Sina,
Zauberberg-Handbuch. Stuttgart: J.B. Metzler. pp. 367-376 (
2025)
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Abstract
Die produktive Rezeption des Zauberberg auf der Theaterbühne begann spät – allerdings nicht so spät, wie bisher angenommen. Als erste Theater-Adaption des gesamten Romans galt in der Forschung die Fassung von Michael Wallner (UA 2008 in Lübeck). Jedoch entstand bereits 2001 eine bislang in der Wissenschaft offensichtlich nicht berücksichtigte Dramatisierung von Vera Sturm und Hermann Beil für die Festspiele Reichenau, die vielfach aufgeführt wurde und der der Status der Uraufführungsfassung zukommt. These des Beitrags ist, dass es sich dabei um eine Inszenierung für Kenner des Romans handelt. Hinzu kommt in der Fassung Reichenau die Verstärkung des schon bei Thomas Mann zitierten Intertextes der Schneekönigin von Hans Christian Andersen, die mit dem Kontext der Festspiele in Verbindung stehen kann. Während die Uraufführungsfassung, trotz medial bedingter starker Kürzungen, ansonsten nah am Original bleibt, weisen spätere Theater-Adaptionen aus Berlin (2020), München (2024) und Weimar (2024), auf die ein kurzer Seitenblick geworfen wird, mehr Freiheiten und eine je eigene Handschrift auf. Sie bestätigen insofern eine Äußerung des Regisseurs Sebastian Hartmann über den Vorteil der Inszenierung eines Romans gegenüber derjenigen eines Dramentextes: »Im Roman kannst du wildern, und machst daraus dein Drama.«