Abstract
Der Verfasser versucht zu zeigen, daß nicht der Eigenwert der Heimat die Ursache des Heimwehs ist, sondern daß vielmehr erst das Weh über deren Verlust die Heimat zu einem kostbaren Gut macht. Daher erklärt sich, daß eine Rückkehr in die Heimat eher mit Enttäuschungen als mit einer Linderung des Wehs verbunden ist. Während das Heimweh vorwiegend räumlich bestimmt ist, bezieht sich die Nostalgie wesentlich auf die Einmaligkeit vergangener Erlebnisse sowie auf die Vergänglichkeit der Zeit. Sowohl beim Heimweh als auch bei der Nostalgie kann dann weiter zwischen einer untröstlichen Sehnsucht und einem trauernden Verzicht unterschieden werden. Erinnerung ist immer auch Trauerarbeit, und pathologische Formen des Heimwehs und der Nostalgie zeichnen sich deshalb gleichermaßen durch ihre Unfähigkeit zum Erinnern sowie auch zur trauernden Versöhnung mit einem Verlust aus. Der Heimwehkranke beraubt sich jeden Bandes an einen wirklichen Ort, und dem unglücklichen Nostalgiker muß die Berufung auf die “gute alte Zeit” die verlorene Gegenwart und Zukunft ersetzen. Nur wer Abschied genommen hat, kommt in den Genuß einer Erinnerung, in der sich das Verlangen nach etwas Verlorenem wie in einem Traum erfüllt. The author wants to show that homesickness is not brought about by the intrinsic appeal of one s home-groimd. Rather wistfiilness for bereavement makes home a precious good. From this it becomes understandable why returning home arouses more often disappointment than it relieves one s sick feelings. Whereas homesickness has mainly a spatial connotation, nostalgia actually concerns the uniqueness of past experience as well as time's transience. In both cases a further distinction has to be made between broken-hearted aching and mourning renunciation. Remembrance always is a work of mourning too, and therefore pathological forms of homesickness and nostalgia are equally characterized by their inaptitude to remember as well as to live mournfully with a loss. The homesick deprives himself from any bond to a real place. For the disconsolate nostalgic the invocation of “the good old days” has to substitute the lost present and future. Only the one who bade farewell, delights in remembrance. As in a dream the longing for something lost comes there to fruition.