Ist eine sprache Des geistes möglich?
Abstract
Kognitionswissenschaften – in einem weiten Sinn – sind einfach alle die Wissen- schaften, die sich mit der Analyse und Erklärung kognitiver Leistungen und Fähig- keiten befassen. Wenn man jedoch von der Kognitionswissenschaft im Singular spricht, dann ist in der Regel mehr gemeint. Für die Kognitionswissenschaft ist nicht nur ein bestimmter Forschungsgegenstand charakteristisch, sondern auch ein be- stimmter Erklärungsansatz: der Informationsverarbeitungsansatz. Stillings et al. z.B. schreiben gleich auf der ersten Seite ihres 1987 erschienenen Buches Cognitive Science – An Introduction: „Cognitive scientists view the human mind as a complex system that receives, stores, retrieves, transforms, and transmits information.“ (Stil- lings et al. 1987: 1) Der Informationsverarbeitungsansatz führt jedoch sofort weiter zum Symbolverarbeitungsansatz. Denn offenbar kann ein System nur dann Informa- tionen empfangen, speichern und verarbeiten, wenn es über ein System von internen Repräsentationen oder Symbolen verfügt, über eine interne Sprache, in der diese In- formationen codiert sind. Zumindest ist das eine naheliegende Überlegung, die Peter Hacker so formuliert hat: „... if information is received, encoded, decoded, inter- preted and provides grounds for making plans, then there must be a language or sys- tem of representation in which this is all done.“ (Hacker 1987: 486f.) In der Tat ist die Annahme, daß es in kognitiven Systemen so etwas wie ein System interner Rep- räsentationen bzw. eine Sprache des Geistes1 gibt, die zentrale Grundannahme vieler neuerer Arbeiten in den Bereichen der Kognitionspsychologie und der kognitiven Neurobiologie. Für diese Wissenschaften hat diese Annahme den Status einer empi-.