Die Vestfirðir (deutsch Westfjorde) umfassen eine Halbinsel und Region mit einer Fläche von 8842 km² im Nordwesten von Island.
| Vestfirðir | |
![]() Karte | |
| Geographische Lage | |
| Koordinaten | 65° 44′ N, 22° 10′ W |
| Gewässer 1 | Húnaflói, Atlantischer Ozean |
| Gewässer 2 | Breiðafjörður |
| Fläche | 8 842 km² |
Bolungarvík am Ísafjarðardjúp | |
Europäische Arktis
BearbeitenMit dem „eigentlichen“ Island sind die Vestfirðir nur über einen schmalen Landhals verbunden. Die Halbinsel ist im Nordwesten von der Dänemarkstraße (isl. Grænlandssund) und im Nordosten von der Grönlandsee umgeben. Rund 30 % der Küstenlinie von ganz Island entfallen auf die Westfjorde.
Die namengebenden Fjorde im Westen reichen tief ins Land hinein und zerklüften das unwirtliche Gebiet. Durch die Fjorde sind die Landwege sehr weit. Hin- und Rückfahrten an einem Tag sind kaum möglich. Bei Unwetter und Schnee sind die Schotterstraßen nicht selten unpassierbar. Schutzhütten mit Telefon und Nahrung können Leben retten. Zwischen Brjánslækur, Flatey und Stykkishólmur verkehrt die Autofähre Baldur über den Breiðafjörður.[1] Die Schifffahrt dient unter anderem der fischverarbeitenden Industrie in den entlegenen Hafenstädten. In den tief eingeschnittenen Fjorden bei wechselnden Gezeiten und schwieriger Navigation entstanden in einigen Hafenorten bis ins frühe 20. Jahrhundert eigene lokale Navigations- und Lotsenhilfen.[2] Kleine Flugzeuge können auf unbefeuerten Schotterpisten landen.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen Basken als erste europäische Walfänger in die Westfjorde und gründeten dort Fischerstationen. Für die Kommunikation mit den Isländern benutzten sie eine Mischung aus Baskisch und Isländisch. Ihnen folgten Norweger, Engländer, Franzosen, Niederländer, Spanier und Deutsche.[3]
Wichtige Orte
BearbeitenDie wichtigsten Orte der Region sind Ísafjörður und Bolungarvík. Von Bedeutung sind auch Þingeyri, Patreksfjörður, Suðureyri und Hólmavík, Tálknafjörður, Flateyri, Súðavík, Hnífsdalur, Bíldudalur, Reykhólar und Reykjanes.
Einwohnerzahl
BearbeitenDie Region ist mit insgesamt 7176 Einwohnern (1. Januar 2025) relativ dünn besiedelt. Das entspricht nur 1,8 % der isländischen Gesamtbevölkerung (um 1900 noch etwa 16 %) und einer Bevölkerungsdichte von 0,812 Ew./km².
Die Gründe für diese extreme Landflucht liegen einerseits in der relativ isolierten Lage der einzelnen Orte und andererseits im nachlassenden Arbeitskräftebedarf in der Agrar- und Fischwirtschaft, die die Haupteinnahmequellen der Westfjorde bilden. Die Verkehrsanbindung ist selbst heute noch (vor allem im Winter) relativ schwierig. Viele Straßen bestehen nur aus Schotterpisten. Und das oft regnerische oder stürmische Wetter behindert den Flugverkehr (nach Ísafjörður und Gjögur). Die nördliche Halbinsel Hornstrandir ist im Winter sogar gänzlich unbewohnt.
Zahlreiche Menschen ziehen in die Hauptstadtregion oder wandern in andere Länder aus, so beispielsweise nach einer Lawinenkatastrophe im Jahr 1995 (siehe auch: Súðavík). In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 war erstmals seit langer Zeit eine direkte Umkehr des bisherigen Trends erkennbar: Während die Vestfirðir, wie die meisten anderen hauptstadtfernen Regionen, einen mehr oder weniger deutlichen Bevölkerungszuwachs verzeichneten, verloren die bis dahin ständig wachsenden Regionen in und um die Hauptstadt im Südwesten deutlich Einwohner.
Tourismus
BearbeitenInzwischen baut man den Tourismus als neuen Erwerbszweig aus, da die Fjorde landschaftlich sehr reizvoll sind. Touristisch wenig erschlossen ist etwa noch die Gegend nahe dem Dynjandi (auch Fjallfoss), dem mit 100 m höchsten Wasserfall der Westfjorde. Seit 2006 hat der Angeltourismus in den Westfjorden stark zugenommen. Das Meeresgebiet am Ausgang des Eisfjords Ísafjarðardjúp bietet sehr gute Möglichkeiten zum Angeln von Dorsch, Heilbutt, Steinbeißer und teilweise auch Schellfisch, Seelachs und Rotbarsch.
Historische Kreiseinteilung
BearbeitenIn einer historischen Kreiseinteilung werden vier Kreise ausgewiesen; Bolungarvíkurkaupstaður und Ísafjarðarbær werden gesondert geführt. Die Kreise bilden heute keine eigenständige kommunale Verwaltungsebene.[4] Der frühere Kreis Vestur-Ísafjarðarsýsla (Code-Nr. 4700) ist mittlerweile vollständig in der Gemeinde Ísafjarðarbær aufgegangen.
| Code-Nr. | Gesondert geführte Gemeinde | Einwohner (1. Januar 2025) |
Fläche [km²] |
|---|---|---|---|
| 4100 | Bolungarvíkurkaupstaður | 995 | 109 |
| 4200 | Ísafjarðarbær | 3.832 | 2.379 |
| Code-Nr. | Historischer Kreis | Einwohner (1. Januar 2025) |
Fläche [km²] |
| 4500 | Austur-Barðastrandarsýsla | 246 | 1.090 |
| 4600 | Vestur-Barðastrandarsýsla | 1.314 | 1.515 |
| 4800 | Norður-Ísafjarðarsýsla | 209 | 749 |
| 4900 | Strandasýsla | 580 | 3.000 |
Einteilung in Gemeinden
BearbeitenDie Region Vestfirðir gliedert sich in acht Gemeinden.
| Gem.-Nr. | Gemeinde | Einwohner (1. Januar 2025) |
Fläche [km²] |
größere Orte |
|---|---|---|---|---|
| 4100 | Bolungarvíkurkaupstaður | 995 | 109 | Bolungarvík |
| 4200 | Ísafjarðarbær | 3.832 | 2.379 | Ísafjörður, Flateyri, Suðureyri, Þingeyri, Hnífsdalur |
| Austur-Barðastrandarsýsla | ||||
| 4502 | Reykhólahreppur | 246 | 1.090 | Reykhólar |
| Vestur-Barðastrandarsýsla | ||||
| 4607 | Vesturbyggð | 1.314 | 1.515 | Bíldudalur, Patreksfjörður, Tálknafjörður |
| Norður-Ísafjarðarsýsla | ||||
| 4803 | Súðavíkurhreppur | 209 | 749 | Súðavík |
| Strandasýsla | ||||
| 4901 | Árneshreppur | 60 | 707 | |
| 4902 | Kaldrananeshreppur | 115 | 387 | Drangsnes |
| 4911 | Strandabyggð | 405 | 1.906 | Hólmavík |
Bilder
Bearbeiten- Landepiste mit Brückenhaus eines Trawlers als „Tower“ in Vestfirðir (2002)
- Torfhof in Dýrafjörður
- Hrútafjörður
- Eyrakirkja am Seyðisfjörður
- Fjord Dýrafjörður
- Fischermuseum Ósvör in Bolungarvík
Einzelnachweise
Bearbeiten- ↑ The Ferry Baldur. Visit Westfjords, abgerufen am 16. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Jón Þ. Þór: Saga Ísafjarðar og Eyrarhrepps hins forna. 3: Atvinnu- og hagsaga Ísafjarðarkaupstaðar 1867–1920. Sögufélag Ísfirðinga, Ísafjörður 1986, S. 114–116 (isländisch).
- ↑ Jónas Blondal
- ↑ Country Deep Dive on the Well-being Economy: Iceland. (PDF) Government of Iceland, abgerufen am 16. Juli 2026 (englisch).
Weblinks
Bearbeiten- Offizielle Website (englisch/isländisch)

