TVO – Das Ostschweizer Fernsehen
TVO (vormals Tele Ostschweiz) ist ein konzessionierter regionaler Privatfernsehsender in der Schweiz für die Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. Er ist seit 1999 auf Sendung. TVO ist als Regionalsender konzessioniert. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben ist es TVO nicht erlaubt, das Programm per Satellit zu verbreiten.
| TVO | |
| Fernsehsender (privatrechtlich) | |
| Programmtyp | Regionalprogramm |
|---|---|
| Empfang | Kabel, IPTV & Internet |
| Sendestart | 1999 (als Tele Ostschweiz) |
| Sprache | Deutsch, Schweizerdeutsch |
| Sitz | St. Gallen, Schweiz |
| Geschäftsführung | André Moesch |
| Chefredaktion | Marco Latzer |
| Liste der Listen von Fernsehsendern | |
| Website | |
Die TVO AG ist eine Tochtergesellschaft der NZZ Regionalmedien AG und Teil des Unternehmens NZZ. CH Media erbringt Technik-, Produktions-, Vermarktungs- und Management-Leistungen für TVO.
Geschichte
BearbeitenTele Ostschweiz ging am 12. August 1999 erstmals auf Sendung. Zu Beginn wurden drei Sendungen produziert – Nachrichten im Ostschweiz Aktuell, das Hintergrund-Magazin Treffpunkt und die Talk-Sendung Im Gespräch. Seinen ersten Sitz fand der Sender mit seinen Studios an der Bionstrasse 4 in St. Gallen.[1]
Der erste General-Relaunch wurde bereits im Frühling 2001 vollzogen. Charakteristisch für diese Ära war das in knalligen Gelb- und Blautönen gehaltene «Aktuell»-Nachrichtenstudio. Im Rahmen der Anpassungen wurde auch erstmals eine Sonntagsrunde mit Gästen aus der Ostschweizer Politszene ausgestrahlt.
Kampf um Konzession
Bearbeiten2008 wurde die Sendestruktur ein weiteres Mal angepasst: Das Hintergrundmagazin Zoom wurde ersatzlos aus dem Programm gestrichen. Die Talk-Sendung Im Gespräch wurde durch Sporttalk (Montag), praXis gsundheit (Dienstag), Fokus (Mittwoch) und Fritsche (Donnerstag) ersetzt.
Bereits im Jahr 2007 hatte TVO ein Konzessionsgesuch für das Regionalfernsehen in der Ostschweiz (St. Gallen, beide Appenzell und Teile des Thurgaus) eingereicht, für welches sich mit dem von Tele Top initiierten Projekt „Tele Säntis“ aber auch ein Mitbewerber interessierte. Am 31. Oktober 2008[2] vergab das UVEK die Konzession an TVO – das Projekt von Tele Säntis wurde abgelehnt. Aus der Vergabe resultierte in der Folge ein während rund vier Jahren andauernder Rechtsstreit zwischen den beiden Sendern. Nachdem im Dezember 2009 das Bundesverwaltungsgericht Kriterien hinsichtlich einer möglichen marktbeherrschenden Stellung ausmachte, die bei der Vergabe an TVO nicht in genügender Form berücksichtigt wurde, schien der Ausgang des Verfahrens offen.[3] Seitens des Bundes musste daher zunächst eine Neuprüfung vorgenommen werden. Am 29. Januar 2010 erteilte das UVEK TVO eine provisorische Konzession[4] im Sinne einer Übergangslösung, damit der Service public weiterlaufen konnte. Tele Säntis blieb derweil ohne Sendebetrieb. Im November 2011 bestätigte das UVEK die Konzessionserteilung an TVO endgültig. Laut Gutachten der Wettbewerbskommission (WEKO) sei allein im Radiowerbemarkt durch Radio FM1 eine gewisse Marktbeherrschung der NZZ-Gruppe vorhanden, jedoch ohne missbräuchliche Nutzung – die Meinungsvielfalt sei somit nicht gefährdet. Auch gegen diesen Entscheid erhob Tele Säntis in der Folge Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Am 22. August 2012[5] lehnte dieses die Beschwerde von Tele Säntis ab und bestätigte die definitive Konzession für TVO. Die Entscheidung wurde damit rechtskräftig – ein Weiterzug in der Schweiz war nicht mehr möglich. Mit dem Entscheid konnte sich TVO seine Gebührenanteile endgültig sichern und einen weiteren Ausbau des Programms in die Wege leiten.
Unabhängig vom laufenden Rechtsstreit hat TVO am 16. August 2010 auf das Format 16:9 umgestellt. Seit Ende des Jahres 2012 ist TVO schweizweit digital empfangbar.
Ära "60 Minuten"
BearbeitenInfolge der erfolgreichen Konzessionsvergabe produzierte TVO von Mai 2013 bis Oktober 2019 von Montag bis Freitag täglich 60 Minuten. Infolge der erfolgreichen Konzessionsvergabe produzierte TVO von Mai 2013 bis Oktober 2019 von Montag bis Freitag täglich.[6] Darin enthalten waren News, Wetter und Hintergrundgespräche zu aktuellen Themen sowie eine kurze Zusammenfassung der News im Kurzformat Kompakt. Erstmals in der Sendergeschichte wurde auch am Sonntag eine News-Sendung produziert. Grosses Alleinstellungsmerkmal des Sendekonzeptes war der völlige Verzicht auf Sendungen und Rubriken ausserhalb der Nachrichten. Sämtliche Inhalte wurden unter der Bezeichnung 60 Minuten ausgestrahlt.
Seit April 2017 werden die Nachrichten ab 19.00 Uhr untertitelt. Im August 2018 startete TVO die neue Sendeserie «Mensche i de Ostschwiz».[7] Das Reportageformat widmete sich Menschen, Vereinen und Organisationen, die auf ganz besondere Weise zum kulturellen Leben in der Ostschweiz beitrugen. Die Ausstrahlung wurde per Ende Mai 2024 vorerst eingestellt.
Im November 2019 bezog der Ostschweizer Regionalsender neue Redaktions- und Studioräumlichkeiten an der Fürstenlandstrasse 122 in St. Gallen und gab in der Folge seinen bisherigen Standort an der Bionstrasse nach 20 Jahren auf.[8] Im Rahmen des Umzuges wurden das Erscheinungsbild überarbeitet und der Senderaster angepasst. In Zuge dessen wurde auch das Konzept 60 Minuten aufgeben und die Nachrichtensendung «News» wieder in «Aktuell» zurück benannt.
Nach dem Umzug an die Fürstenlandstrasse
BearbeitenMit den neuen Sendungen «Im Zug mit...», «Zur Sache» und «Stammtisch» setze TVO fortan wieder auf klassische Sendungsformate ausserhalb der von 60 Minuten gewohnten Studiokulissen.[9]
Schon 2018 hatte die Gründung von CH Media Auswirkungen auf TVO. Der bisherige Inhaber, die NZZ-Mediengruppe, ging ein Joint Venture mit den AZ Medien ein. Der Sender ist bis heute Teil der NZZ Regionalmedien AG. Technik, Teile des Inhaltes (überregionale Formate) und die Vermarktung von TVO werden seither aber durch CH Media erbracht.
Anfang 2024 wurde die Konzession für das Sendegebiet Ostschweiz durch das UVEK bis Ende 2034 verlängert.[10] Nach Tele Säntis im Jahr 2007 sah sich der Sender mit dem Projekt «OTV» des Rheintaler Medienunternehmens Galledia wiederum mit einem Mitbewerber konfrontiert.[11] Das UVEK vergab die Konzession erneut an TVO, da das eingereichte Gesuch «sowohl im Kriterium der Vielfalt an Themen, Meinungen und Interessen sowie Akteurinnen und jenem des Aufzeigens von Hintergründen und Zusammenhängen» überzeugender gewesen sei als jenes von Galledia.[12]
Mit der Verlängerung der Konzession war eine neuerliche Programmüberarbeitung verbunden. So sendet TVO seit Januar 2025 erstmals in der Sendergeschichte ein zweistündiges Programm. Auch gingen mit der Neulancierung des «Sporttalk», der Wirtschaftssendung «Mini Firma», dem Reportageformat «Dorftour» und Perlen aus dem TVO-Bewegtbildarchiv unter dem Label «Weisch no?» gleich vier neue Sendungen an den Start.[13]
Bei einem Budget von rund 4,5 Millionen Franken im Jahr beschäftigte TVO 2025 rund 30 Mitarbeitende (ohne Administration und Werbeverkauf). Das Studio von TVO ist mit vier digitalen Kameras und rund 40 Leuchtmitteln ausgestattet. Die Videojournalistinnen und -journalisten arbeiten mit Sony-XDCAM-Kameras. Als Schnittsystem wurde bis 2019 mit Apple Final Cut Pro 7 gearbeitet, welches anschliessend durch neue Schnittplätze mit Adobe Premiere Pro abgelöst wurde.
TVO erreichte im ersten Halbjahr 2026 eine Tagesreichweite von 104'000 Zuschauerinnen und Zuschauern, was den höchsten Wert seit zehn Jahren bedeutete.[14]
Sendungen
BearbeitenTVO sendet Eigen- und Fremdproduktionen. Die Eigenproduktionen werden in der Regel in Ostschweizer Dialekten gesprochen.[15]
Eigenproduktionen
BearbeitenNachrichten
Bearbeiten- Aktuell
Magazine
Bearbeiten- Sporttalk
- Mini Firma
- Im Zug mit...
- Stammtisch
- Zur Sache
- Weisch no?
- Dorftour
- Tagblatt-Report
- Gedanken zur Zeit
Fremdproduktionen
Bearbeiten- Wetter
- SonnTalk
- TalkTäglich
- Lifestyle
- SwissDinner
- Tierisch
- Ratgeber
- Bliib Fit
- +41 Das Schweizer Reportagemagazin
- CheckUp
- Mis Dihei
- Min Garte
- Mis Hobby
- Choche & gnüsse
- In Vino Veritas
- Geld & Vorsorge
Moderationsteam
BearbeitenAktuell
Bearbeiten- Nicole Milz
- Sven Lenzi
- Roger Inauen
- Laura Manser
- Claudia Marty
- Thomas Bächle
- Marco Latzer
Sporttalk
Bearbeiten- Nicole Milz
- Sven Lenzi
- Erik Schegg
- Riccardo Iannella
Zur Sache
Bearbeiten- Stefan Schmid
- Marco Latzer
Stammtisch
Bearbeiten- Roger Inauen
- Sven Lenzi
Im Zug mit...
Bearbeiten- Claudia Marty
- Sarah Wagner
- Nicole Milz
- Katerina Mistakidis
Mini Firma
Bearbeiten- Sarah Wagner
- Sven Lenzi
- Riccardo Iannella
- Marco Latzer
Stand der Angaben: Juli 2026[16]
Ehemalige Mitarbeitende
BearbeitenWeblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- ↑ Sendestart Tele Ostschweiz - Schweiz aktuell - Play SRF. In: srf.ch. Abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ UVEK erteilt 14 Radio– und 7 Regional–TV–Konzessionen in den umworbenen Gebieten. In: admin.ch. 31. Oktober 2008, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Das Zittern bei TVO geht weiter. In: srf.ch. Abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Übergangskonzession für TVO geschützt. In: tagblatt.ch. 27. August 2010, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Silvan Lüchinger: Konzession gilt vorerst bis 2019. In: tagblatt.ch. 29. August 2012, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ TVO lanciert neues Konzept. In: tagblatt.ch. 10. Mai 2013, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Roger Fuchs: TV-SERIE: Hinter der Erfolgssendung "Mensche i de Ostschwiz" steckt ein Innerrhoder. In: appenzellerzeitung.ch. 8. Februar 2018, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Regula Weik, Christoph Zweili: Tagblatt, TVO und FM1 sind neu unter einem Dach +++ Das grosse Interview: «Wir kämpfen gegen internationale Giganten». In: tagblatt.ch. 16. November 2019, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ «Stammtisch» von TVO feiert ersten Geburtstag: «Alkohol trinken wir in der Regel erst, wenn es losgeht». In: tagblatt.ch. 12. November 2020, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Erteilung der Veranstalterkonzessionen 2025 bis 2034. (admin.ch [abgerufen am 17. Juli 2026]).
- ↑ Galledia erhält keine Ostschweizer TV-Konzession. In: SWI swissinfo.ch. 11. Januar 2024, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Verfügung Versorgungsgebiet Ostschweiz. (PDF) Bundesamt für Kommunikation, 14. Januar 2024, abgerufen am 18. Juli 2026.
- ↑ Julia Ochsner: Mehr Sendungen, mehr Region – TVO und Tele 1 mit erfreulichen Publikumszahlen » Unternehmen NZZ. In: unternehmen.nzz.ch. 17. Juli 2025, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Marco Nart: TVO und Tele 1 setzen Wachstumskurs fort – Rekordreichweiten und starke Live-Events im ersten Halbjahr 2026. In: unternehmen.nzz.ch. 17. Juli 2026, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Sendungen. In: tvo-online.ch. Abgerufen am 17. Juli 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Team. Abgerufen am 17. Juli 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ 25 Jahre TVO: Episode 1 - TVO geht auf Sendung. 9. August 2024, abgerufen am 17. Juli 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Über Patrick Senn | Patrick Senn. Abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Parodist ist Gast bei Wolf Buchinger. 6. Juli 2012, abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ Marco Fritsche – Produktionshaus. Abgerufen am 17. Juli 2026.
- ↑ TVO: Linda Fäh mit eigener Sendung. Abgerufen am 17. Juli 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
