Tobago

Insel in der Karibik
(Weitergeleitet von Nieuw-Walcheren)

Tobago ist nach Trinidad die kleinere der beiden Hauptinseln des vor der Nordküste Südamerikas gelegenen Inselstaats Trinidad und Tobago. Wirtschaftlich zeichnet sie sich durch einen hohen Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt aus. Politisch verfügt sie innerhalb des Staats über ein gewisses Maß an Autonomie.

Tobago
Tobago: Man O’War Bay mit Charlotteville
Gewässer Karibisches Meer
Geographische Lage 11° 15′ N, 60° 40′ WKoordinaten: 11° 15′ N, 60° 40′ W
Tobago (Trinidad und Tobago)
Tobago (Trinidad und Tobago)
Länge 40,7 km
Breite 11,9 km
Fläche 308 km²
Höchste Erhebung Pigeon Peak
576 m
Einwohner 61.000 (2011)
198 Einw./km²
Hauptort Scarborough

Geografie

Bearbeiten
Satellitenbild von Tobago

Geographisch gehört die Insel zu den Kleinen Antillen und liegt zwischen der südlichen Karibik und dem Atlantik, etwa 30 km nordöstlich von Trinidad. Die nächste Antilleninsel ist das ungefähr 150 km im Nordwesten gelegene Grenada. Nach der Abgrenzung der IHO liegen die Kleinen Antillen und damit auch Tobago innerhalb des Karibischen Meeres.[1] Geologisch liegt Tobago auf dem Tobago-Terran, einem Block der Erdkruste, der zwischen der karibischen und der südamerikanischen Platte liegt.[2]

Die Insel ist 40,7 km lang und 11,9 km breit. Etwa zwei Drittel der Landmasse werden von einem bewaldeten Gebirgszug eingenommen, der Main Ridge. Das Profil des Gebirgszugs ist wenig ausgeprägt. Die höchste Erhebung ist der Pigeon Peak mit 576 m. Die Küste entlang der Main Ridge ist stark zerklüftet, unterbrochen von sandigen kleinen Buchten. Im Südwesten Tobagos fällt das Gelände ab und bildet eine hügelige Tiefebene.[3]

Tobago hat eine Fläche von 308 km². Die Insel wird vom Tobago House of Assembly verwaltet und bilden eine von insgesamt 15 Verwaltungsregionen des Landes.

Das Klima ist tropisch und gekennzeichnet von hohen Temperaturen um 28 °C mit geringen Schwankungen.

Geschichte

Bearbeiten
Tobagonier (um 1910)

Tobago wurde aus europäischer Sicht wie Trinidad 1498 von Christoph Kolumbus entdeckt. Er nannte die Insel Bella Forma, später wurde sie mehrfach umbenannt. Der letzte Name Tobago leitet sich wahrscheinlich von Tabak ab. Die ursprünglichen indianischen Einwohner wurden von den spanischen Siedlern weitgehend ausgerottet, die Überlebenden wurden assimiliert. Die Insel wechselte häufig den Besitzer; einer war Cornelis Lampsins, der Baron von Tobago. Teils wurde sie unter großen Verlusten verteidigt, teils einfach herrenlos verlassen. Frankreich (Name: Tobago), die Niederlande (Name: Nieuw Walcheren), Großbritannien (Name: Tobago) und sogar das Herzogtum Kurland (Name: „Neukurland“, von 1654 bis 1689)[4] erhoben Anspruch auf die Insel und bauten befestigte Anlagen. Zwischen 1498 und 1814 wechselte die Insel mindestens 33 Mal den Besitzer, was den Rekord in der wechselhaften Kolonialgeschichte der Karibikinseln darstellt.[5] Zwischenzeitlich war sie Piratenstützpunkt. 1763 wurden die sieben Parishes (Kirchspiele/Pfarreien) eingerichtet. Georgetown an der Südküste im Saint George Parish war die Hauptstadt von 1764 bis 1769, und seither Scarborough.[6] 1814 kam Tobago endgültig an Großbritannien. Von 1879 bis 1899 bildete Tobago ein selbständiges Postgebiet und gab Briefmarken heraus. 1888 wurde sie mit Trinidad zu einer Kolonie zusammengefasst. 1958 wurden beide als Teil der Westindischen Föderation unabhängig, 1962 als Trinidad und Tobago.

Gliederung

Bearbeiten
Tobago nach Regionen und parishes
Gliederung in Divisionen 1779

Tobago ist administrativ in zwei Regionen (regions) unterteilt: Western Tobago und Eastern Tobago. Historisch untergliedern sich diese in sieben Parishes, die 1763 zu Beginn der britischen Kolonialverwaltung eingerichtet wurden.[6] Die Parishes haben heute keine Verwaltungsfunktion mehr, werden jedoch als regionale Bezugseinheiten der amtlichen Statistik verwendet.[7]

Gliederung von Tobago in zwei Regionen mit 7 parishes
Region
   Parish
Ehemalige
Division[8]
Größter OrtFläche
in km²
Bevölkerung
2011-01-09
Western Tobago Scarborough9741.829
 Saint AndrewRockly BayScarborough2117.536
 Saint PatrickSandy BayBon Accord3815.560
 Saint DavidCourlandMoria388.733
Eastern Tobago Roxborough20319.045
 Saint GeorgeBarbado BayMount St. George436.875
 Saint MaryGreat RiverGoodwood563.297
 Saint PaulQueen’s BayRoxborough496.048
 Saint JohnNorth EastCharlotteville552.825
Tobago Scarborough30060.874

Bevölkerung

Bearbeiten

Die meisten der 61.000 Einwohner leben im dichter besiedelten Westen der Insel zwischen Crown Point und der Inselhauptstadt Scarborough, gleichzeitig Hauptstadt der Region Western Tobago. In diesem durch Straßen gut erschlossenen Siedlungsband gehen viele Ortschaften nahtlos ineinander über, beispielsweise Crown Point, Canaan, Bon Accord und Lowlands. Im bergigen Ostteil gibt es neben Roxborough, Hauptstadt der Region Eastern Tobago, nur kleine Ortschaften in den Buchten an der Küste, die über schmale Straßen erreichbar sind. Im Norden sind das beispielsweise Castara, Parlatuvier und L’Anse Fourmi, im Osten Charlotteville und Speyside.

90 % der Einwohner sind Schwarze, der Rest sind Mischlinge (mixed), Weiße und Indo-Tobagonier. Die Religionszugehörigkeiten verteilen sich wie folgt: 35 % sind Anglikaner, 11 % Methodisten, 10 % Moravier (Herrnhuter), 10 % Adventisten, 8 % Katholiken und unter 1 % Hindus.[9]

Wirtschaft

Bearbeiten

Über 50 % des Bruttoinlandsprodukts der Insel werden im Tourismussektor erwirtschaftet.[10]

Obwohl Tobago südlich der Hurrikan-gefährdeten Zone der Karibik liegt, wurde die Insel am 30. September 1963 vom Hurrikan Flora schwer verwüstet – viele Plantagen wurden zerstört. 2004 wurde Tobago vom Hurrikan Ivan – aber weit weniger stark – in Mitleidenschaft gezogen.

Vor der Insel liegen die südlichsten Korallenriffe der Karibik. Der „Buccoo Reef Trust (BRT)“ versucht als gemeinnützige Organisation eine nachhaltige Entwicklung der Unterwasserwelt zu fördern.[11]

An der Nordküste Tobagos legen an einigen Stränden (unter anderem Turtle Beach, Stonehaven Bay, Castara und Englishman’s Bay) in der Zeit von April bis Juni die gefährdeten Lederschildkröten ihre Eier ab. Die gemeinnützige Organisation „Save Our Sea Turtles“ versucht, den Schutz für diese Tiere zu verbessern.[12]

Eine Besonderheit ist das wahrscheinlich älteste Naturschutzgebiet der Welt: Seit dem 13. April 1776 steht der tropische Regenwald im Gebiet des „Main Ridge Forest Reserve and Creation Site“ unter Naturschutz. Dadurch wurde die Abholzung des Regenwaldes durch britische Plantagenbesitzer verhindert, die das gerodete Land zum Zuckeranbau nutzen wollten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Tobago eine beeindruckende Artenvielfalt, vor allem an Vögeln, aufzuweisen hat. Die kleinen Nachbarinseln Little Tobago und St. Giles gelten als wichtige Brutplätze für Vögel.

Tobago hat seit 1786 ein eigenes Parlament, das Tobago House of Assembly (THA).[13] 1980 wurde es formell zum legislativen Bestandteil der seit 1976 bestehenden Republik Trinidad und Tobago erhoben. Es hat seit 2021 15 Mitglieder; Wahlen finden alle vier Jahre statt.

Nachdem 2021 die Progressive Democratic Patriots (PDP) 14 der 15 Sitze gewonnen hatte,[14] traten nach einem Streit mit dem PDP-Vorsitzenden Watson Duke Ende 2022 zahlreiche Mitglieder, darunter 13 der Parlamentarier, aus der Partei aus und gründeten acht Monate später die Tobago People's Party (TPP).[15] Bei den Wahlen 2026 gewann die TPP alle 15 Sitze.[16]

Mit einer Verfassungsänderung von 1980 wurde Tobago ein begrenztes Maß an Autonomie zugestanden.[13] Seitdem drängt Tobago auf eine Ausweitung der Autonomie im Rahmen des nicht in Frage gestellten Staates Trinidad und Tobago. Mit einer weiteren, vom aus Tobago gebürtigen, ehemaligen Premierminister Arthur N. R. Robinson vorangetriebenen Verfassungsänderung wurden 1996 die Befugnisse der THA ausgeweitet.

Die einzige zweispurige Straße der Insel, der Claude-Noel-Highway, führt von Scarborough zum Flughafen. Die Windward Road führt an der Südküste entlang nach Roxborough und weiter nach Charlotteville. Die Northside Road führt über Moriah an die Nordküste und dort nach Castara, Parlatuvier und L´Anse Fourmi. Die Parlatuvier Road quert die Insel und verbindet Roxborough mit Parlatuvier. Seit 2007 verbindet die Hermitage Road Charlotteville mit Parlatuvier.

Von Scarborough fahren blau-weiß lackierte Busse (überwiegend von der chinesischen Firma Higer Bus) der Public Transport Service Corporation (PTSC)[17]. Die Hauptrouten sind: Richtung Westen nach Crown Point und Black Rock, Richtung Osten nach Charlotteville und Richtung Norden nach Moriah, Castara und L’Anse Fourmi. Die Fahrkarten müssen vor Antritt der Fahrt gekauft werden. Die gleichen Routen werden von Sammeltaxis befahren – sie heißen hier „Maxi-Taxis“ (blau-weiß lackierte Kleinbusse mit acht Sitzplätzen) und „Route taxis“ (PKW mit vier Sitzplätzen). Beide Arten können auf freier Strecke angehalten werden.

Im Südwesten liegt der A.N.R. Robinson International Airport mit mehreren täglichen Verbindungen nach Port of Spain und einigen internationalen Flügen, darunter saisonal nach Frankfurt am Main.

Der einzige Verkehrshafen liegt in Scarborough. Vom Fährterminal fahren Schnellfähren in 2,5 Stunden nach Port of Spain auf Trinidad.

Von Scarborough aus sendet der Radiosender Radio Tambrin 92.7 FM, der 1998 gegründet wurde und bis heute die einzige Radiostation von Trinidad & Tobago ist, die ihren Schwerpunkt auf der kleineren der beiden Schwesterinseln hat.

Auf Tobago gibt es zwei Golfplätze, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. An der karibischen Nordküste liegt der 1968 angelegte „Mount Irvine Bay Golf Course“ mit Blick auf das Buccoo Reef. Auf dem Gelände des Magdalena Grand Beach Resort und unmittelbar an der atlantischen Küste liegt der „Tobago Plantations Golf Course“. Der Platz erstreckt sich ca. 3,5 Kilometer entlang der Küste und bietet einen Blick auf die Inselhauptstadt Scarborough. Auf dem Areal ist ein künstlicher See angelegt, in dem sich Kaimane angesiedelt haben.

Tobago bietet die südlichsten Korallenriffe der Karibik und ist somit ein beliebtes Tauchgebiet. Der Ort Speyside an der Nord-Ostküste ist ein Zentrum für Gerätetaucher. Zahlreiche Tauchschulen haben sich dort niedergelassen. Auch der Bereich um Mount Irvine und Black Rock ist Heimat einiger Tauchbasen. Die Insel verfügt über einige der schönsten Tauchreviere der Karibik. Von den drei bekannten Wracks ist die Fähre „Maverick“ aufgrund ihrer Größe von 110 Metern das wohl am häufigsten angesteuerte Ziel. Die ehemals zwischen Trinidad und Tobago verkehrende Fähre liegt in Rocky Point, vor dem Strand von Mount Irvine, und ist die Heimat zahlreicher Fischarten geworden.

Ziegenrennen

Bearbeiten

In Buccoo im Südwesten der Insel haben sich in den 1920er-Jahren Ziegenrennen etabliert, die sich zu einem Anziehungspunkt für Touristen entwickelt haben.

Literatur

Bearbeiten
  • Susan E. Craig-James: The Changing Society of Tobago, 1838-1938: A Fractured Whole. Volume I: 1838-1900. Cornerstone Press, Arima 2008, ISBN 978-976-95160-1-4.
  • Lennie M. Nimblett: Tobago. The union with Trinidad 1889–1899. Myth and reality. AuthorHouse, Bloomington 2012, ISBN 978-1-4772-3449-5.
  • Imbi Sooman, Jesma McFarlane, Valdis Tēraudkalns, Stefan Donecker: From the Port of Ventspils to Great Courland Bay. The Couronian Colony on Tobago in Past and Present. In: Journal of Baltic studies. ISSN 0162-9778, Jg. 44 (2013), S. 503–526.
Bearbeiten
Commons: Tobago – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Tobago – Reiseführer

Einzelnachweise

Bearbeiten
  1. International Hydrographic Organization: Limits of Oceans and Seas. 3rd Edition 1953, Monte Carlo 27.- Caribbean Sea
  2. Robert Speed und P.L. Smith-Horowitz: The Tobago Terrane. In: International Geology Review. Band 40, Nr. 9, 1998, S. 807.
  3. Dawn Phillip: Biodiversity of Freshwater Fishes of Trinidad and Tobago, West Indies. University of St. Andrews, St Andrews 1998, S. 14.
  4. Art. Tobāgo. In: Latviešu konversācijas vārdnīca, Band 22: Tobāgo – Žvīgule. Gulbis, Riga 2004, ISBN 9984-719-29-4, Sp. 43013―43020, hier Sp. 43014–43018 (lettisch).
  5. Caribbean-Atlas.com: Tobago – In and Out of Colonial Empires. Abgerufen am 27. Oktober 2016.
  6. 1 2 Anglican Parishes in 19th Century Tobago (Memento vom 17. Juli 2015 im Internet Archive)
  7. Offizieller Zensusreport 2011. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2016; abgerufen am 9. Dezember 2015.
  8. Karte von 1776
  9. E. Seeliger-Mander: Trinidad und Tobago, Verlag Peter Rump, Bielefeld 2007.
  10. ResponsibleTravel.com: Responsible tourism in Tobago. Abgerufen am 24. Mai 2026.
  11. buccooreeftrust.org
  12. sos-tobago.org
  13. 1 2 Rita Pemberton: Historical Dictionary of Trinidad and Tobago. New edition Auflage. Rowman & Littlefield, Lanham 2018, ISBN 978-1-5381-1145-1, S. 340.
  14. Elizabeth Gonzales: PDP wins THA elections 14-1; recounts in 2 districts today. In: Trinidad Newsday. 7. Dezember 2021 (newsday.co.tt).
  15. Ishmael Salandy: Mass resignation from PDP of Farley and team: Tobago now run by Independents. In: Trinidad Express. 22. Mai 2022 (trinidadexpress.com).
  16. Sean Douglas: TPP trounces PNM 15-0 in THA elections, 12. Januar 2026, abgerufen am 10. Februar 2026.
  17. PTSC-Homepage. 9. September 2010, abgerufen am 9. September 2010.