Historisches Ortslexikon für Brandenburg

Publication series on Brandenburg settlement and local history

Das Historische Ortslexikon für Brandenburg (abgekürzt HOL) ist eine vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) herausgegebene, dreizehnbändige Reihe von Nachschlagewerken zur brandenburgischen Siedlungs- und Ortsgeschichte. Es verzeichnet alle benannten Ortschaften und Wohnplätze seit der hochmittelalterlichen Besiedlungsphase. Alle Bände sind in digitaler Form als Open-Access-Publikationen zugänglich.

Buchcover des Historischen Ortslexikons für Brandenburg, Teil 1, Prignitz A–M

Geschichte

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Das Projekt entstand im Umfeld der im Februar 1957 am Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) eingerichteten Landesgeschichtlichen Forschungsstelle, die unter der Leitung von Rudolf Lehmann die Bearbeitung eines „Historischen Ortslexikons für Brandenburg“ initiierte. Lehmann hatte bereits ab 1955 ohne einen offiziellen dienstlichen Auftrag mit der Erarbeitung eines Historischen Ortslexikons der Niederlausitz begonnen, welches bereits als Teil eines umfassenderen Historischen Ortslexikons für Brandenburg konzipiert war.[1]

Neben der frisch ausgebildeten Archivarin Lieselott Enders sowie dem Historiker Klaus Schwarz, der allerdings bald in die Bundesrepublik übersiedelte, konnte der Leiter des BLHA Friedrich Beck später den Bibliothekar der Berliner Stadtbibliothek Peter P. Rohrlach für die Bearbeitung mehrerer Bände gewinnen. Joachim Schölzel bearbeitete den Band 9 Beeskow-Storkow. Ursprünglich waren auch die Archivare Hartmut Harnisch und Gebhard Falk als Bearbeiter vorgesehen gewesen, die aber schließlich mit anderen Aufgaben betraut wurden.[1]

Zwischen 1962 und 1992 erschienen so insgesamt zehn Teilbände. Der in der Anfangszeit des HOL gefasste Plan, auch einen Band zur weitgehend östlich der Oder, d. h. heute in Polen gelegenen Neumark zu erarbeiten, wurde aus politischen Gründen fallengelassen. Parallel wurde 1979 von Rudolf Lehmann, der sich in seiner Forschungstätigkeit in der DDR beschnitten sah und daher bereits Anfang der 1960er-Jahre in die Bundesrepublik übergesiedelt war, in eigener Verantwortung ein „Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz“ veröffentlicht, welches wiederum auch Ortschaften östlich von Oder und Neiße erfasst. 1995 folgte der Registerband zu den ersten zehn Teilen des HOL. Ab den 1990er-Jahren wurden zudem einzelne Bände in zweiter, erweiterter Auflage vorgelegt, insbesondere der Band 1 „Prignitz“, der neben neuen Quellen und Forschungsergebnissen auch Entwicklungen zwischen 1960 und 1995 dokumentiert.[1]

Einen späten Abschluss fand das Projekt im Jahr 2018 mit der Veröffentlichung des zweibändigen Teils „Altmark“. Die Bearbeitung dieses Bandes geht auf Überlegungen des damaligen Archivdirektors Friedrich Beck zurück, das Historische Ortslexikon um die historisch zentrale, bis in die napoleonische Zeit kurmärkische Altmark zu erweitern. Mit der Bearbeitung wurde Peter P. Rohrlach betraut. Obwohl die Arbeiten bereits um 1990 aufgenommen wurden und ein entsprechender Vertrag eine Fertigstellung bis Ende 1994 vorsah, verzögerte sich das Vorhaben erheblich. Ursache dafür war unter anderem die berufliche Beanspruchung Rohrlachs, der in der politischen Wendezeit nach wie vor in leitender Position bei der Berliner Stadtbibliothek tätig war und die Zusammenlegung des Ost- und West-Berliner Bibliothekswesen mitzuverantworten hatte. Erst nach einer grundlegenden Wiederaufnahme der Arbeiten ab 2003, unterstützt durch das Brandenburgische Landeshauptarchiv und das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, konnte das Werk trotz der zuletzt schwankenden gesundheitlichen Verfassung Rohrlachs schrittweise vollendet werden. Es gilt als Rohrlachs wissenschaftliches Lebenswerk.[2] Mit der Veröffentlichung des Altmark-Bandes gilt das Projekt Historisches Ortslexikon für Brandenburg als abgeschlossen.[1]

Maßgeblich für die Gliederung des HOL war die Quellenlage: Die archivalischen Überlieferungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit sind landschaftsgebunden, weshalb eine Orientierung an historisch gewachsenen Räumen sinnvoller erschien als an den sich wandelnden Verwaltungsgrenzen. Während die statistische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts bereits weitgehend an den damaligen Verwaltungseinheiten ausgerichtet war, hätten die tiefgreifenden Gebietsreformen der Neuzeit eine langfristig vergleichbare Bearbeitung stark erschwert. Besonders die Verwaltungsreform von 1952, in deren Folge die Länder in der DDR aufgelöst und 14 neue Bezirke sowie Kreise geschaffen wurden, entzog der historischen Forschung eine konsistente Grundlage. Auch die Gebietsreformen nach 1990 orientierten sich wenig an historisch gewachsenen Strukturen. Um aussagekräftige Querschnitte über neun Jahrhunderte hinweg zu ermöglichen, legte man deshalb für das HOL ein einheitliches Stichjahr 1900 fest. Diese Kreiseinteilung entspricht im Wesentlichen den 1815/16 eingeführten preußischen Verwaltungskreisen.[1]

Wesentlich für die Bearbeitung des HOL war ein ursprünglich von Rudolf Lehmann entwickeltes und von Lieselott Enders weiterentwickeltes, festes Zehn-Punkte-Schema, das unter anderem die geographische Lage, die Zugehörigkeit in verschiedenen Zeiträumen, Angaben zur Siedlungsform, zur Ersterwähnung, zur Wirtschafts- und Sozialstruktur, zur Kirchenorganisation sowie Einwohnerzahlen in mehreren Stichjahren umfasst. Alphabetische Artikelstruktur, Verweisungen und ergänzende Register erleichtern die Benutzung. Als Quellengrundlage dienten neben heimatkundlicher Sekundärliteratur vor allem Originalquellen, die systematisch ausgewertet wurden.

  • Teil I: PrignitzLieselott Enders, 1962
  • Teil II: Ruppin – Lieselott Enders, 1970
  • Teil III: Havelland – Lieselott Enders, 1972
  • Teil IV: Teltow – Lieselott Enders, unter Mitwirkung von Margot Beck, 1976
  • Teil V: Zauch-BelzigPeter P. Rohrlach, 1977
  • Teil VI: Barnim – Lieselott Enders, mit Margot Beck, 1980
  • Teil VII: Lebus – Peter P. Rohrlach, 1983
  • Teil VIII: Uckermark – Lieselott Enders, 1986
  • Teil IX: Beeskow-Storkow – Joachim Schölzel, 1989
  • Teil X: Jüterbog-Luckenwalde – Peter P. Rohrlach, 1992
  • Teil XI: Orts- und Personenregister (Teile I–X) – Lieselott Enders und Peter P. Rohrlach, 1995
  • Teil XII: Altmark (2 Bände) – Peter P. Rohrlach, 2018
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  1. 1 2 3 4 5 Klaus Neitmann: Ein Rückblick auf das „Historische Ortslexikon für Brandenburg“ und auf Peter P. Rohrlachs Anteil am Langzeitvorhaben des Brandenburgischen Landeshauptarchivs In: Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 7–17.
  2. Martin Mende: Peter Rohrlach †. Nachruf in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 119. Jg., Heft 3, Juli 2023, S. 585–586.