Hans Jörg Limbach

* 8.2.1928 Zürich, † 19.3.1990 Hombrechtikon; Maler, Zeichner und Plastiker. Landschaften, Genrebilder und Bildnisse. 1952-55 Japanaufenthalt

Hans Jörg Limbach (* 8. Februar 1928 in Zürich; † 19. März 1990 in Hombrechtikon) war ein Schweizer Maler, Zeichner und Plastiker. Er ist vor allem durch seine realistischen Bronzeplastiken bekannt, die unter anderem in Hombrechtikon, Berg am Irchel und Stuttgart im öffentlichen Raum stehen.

Hans Jörg Limbach, Enkel eines Missionars,[1] besuchte in Zürich das Gymnasium und absolvierte eine Lehre beim Bildhauer Eduard Bick in Zürich.[2][3] Reisen nach Paris, Florenz, Rom und Palermo sowie ein zweijähriger Aufenthalt in Nord- und Südamerika folgten.[3]

Ende 1951 reiste Limbach für vier Jahre nach Japan, wo er in Kyoto Anatomievorlesungen besuchte und Sezierungen beiwohnte und in der Zusammenarbeit mit den Plastikern Matsukazu Minomura und Sueo Kasagi sowie dem Maler Seiji Togo seine Fähigkeiten vertiefte. Dort widmete er sich vor allem der Holzbildhauerei, was ihm später in Westafrika beim Bearbeiten des harten Eisenholzes zugutekam. Weitere mehrjährige Aufenthalte in Amerika, im Fernen Osten und in Westafrika folgten; insgesamt lebte Limbach rund zehn Jahre im Ausland, ehe er Ende 1961 endgültig in die Schweiz zurückkehrte.[2][3]

Erste Ausstellungen folgten 1949 in Indianapolis, 1954/55 in Tokio und Nagasaki sowie 1956/57 in Zürich und auf Schloss Arbon; danach kamen zahlreiche öffentliche und private Aufträge sowie weitere Ausstellungen in den USA, Japan, Deutschland und der Schweiz hinzu.[3]

1964 bezog Limbach ein Atelier am Lützelsee in Hombrechtikon, wo er bis zu seinem Tod an zahlreichen Aufträgen und Ausstellungen im In- und Ausland arbeitete.[1] Neben Bronze und Marmor experimentierte er unter anderem mit schwarzem belgischem Granit, Serpentin und Diabas.[2] Nach vier Handoperationen gab er die Steinbildhauerei auf und arbeitete fortan vorwiegend als Metallplastiker; die meisten seiner späteren, oft überlebensgrossen Werke sind aus Bronze, Aluminium, Argentan oder Stahl.[3]

Massgeblich unterstützt wurde er von seiner Frau Dolly, die – da er den Kunsthandel ablehnte – Kundenkontakte, geschäftliche Belange und die Organisation von Ausstellungen übernahm; Limbach selbst soll gesagt haben, ohne ihre Mitwirkung wäre höchstens ein Viertel seiner Werke entstanden.[3]

1977 nahm Limbach den gelernten Maurer und späteren Bildhauer Alfredo Battistini als Schüler in sein Atelier auf; dieser musste zunächst monatelang mit Plastilin arbeiten, ehe Limbach ihn für geeignet befand.[1]

Mit dem Winterthurer Liegenschaftsbesitzer und Kunstsammler Bruno Stefanini vereinbarte Limbach, dass dieser nach seinem Tod den gesamten künstlerischen Nachlass erhalten und im Gegenzug den Lebensunterhalt seiner Ehefrau Dorli, genannt Dolly, im Alter sichern sollte.[1] Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, aus einer weiteren Beziehung eine Tochter.[1]

Hans Jörg Limbach nahm sich am 19. März 1990 in seinem Haus in Hombrechtikon das Leben.[1] Sein umfangreicher Nachlass ging an die Stefanini-Stiftung über; ein geplantes Limbach-Museum im Schloss Brestenberg in Seengen, für dessen Eingang eine monumentale Kreuzigungsgruppe vorgesehen war, wurde bislang nicht realisiert.[1] Limbachs plastisches Werk bildet einen Schwerpunkt von Stefaninis umfangreicher Kunstsammlung; sein Nachlass wird auch im 2025 uraufgeführten Dokumentarfilm Die Hinterlassenschaft des Bruno Stefanini von Thomas Haemmerli erwähnt.[4]

Bronzeskulptur Sursum Corda von Hans Jörg Limbach in Hombrechtikon

Als Maler, Zeichner und Plastiker widmete sich Limbach vor allem der Darstellung des menschlichen Körpers und der condition humaine; sein plastisches Werk weist Bezüge zum amerikanischen Hyperrealismus der späten 1960er und 1970er Jahre auf.[2] Er lehnte sowohl die gesellschaftliche Vermassung als auch die abstrakte Moderne ab und griff neben antiken Mythen auch biblische Motive auf. Zentral war ihm der Mensch in Leid, Freude und Schicksal, weshalb er soziale Themen wie Vereinsamung, Krankheit, Sucht und Kriminalität behandelte und dafür in der Schweiz wiederholt kritisiert wurde, da er sich nie den herrschenden Kunstströmungen angepasst habe.[3] Effekthascherei war ihm fremd – oft genügte ihm die Darstellung eines einzelnen Körperteils, um eine Idee auszudrücken.[3]

Für seine Arbeiten betrieb Limbach intensive Studien vor Ort: So beobachtete er im Auftrag eines Arztes wochenlang Patienten in Heimen und Spitälern, um Menschen mit Behinderungen darzustellen. Über Jahre hinweg untersuchte er zudem in Asien und Europa Gesichtsausdrücke im Zusammenhang mit Sucht. Für ein Geburtsrelief in einem Krankenhaus auf Long Island liess er sich, als Assistent verkleidet, bei Geburten zusehen.[3]

Ein Motiv, das Limbach zeitlebens beschäftigte, war der Totentanz (Der Tod und das Mädchen): Eine erste Fassung steht seit 1962 bei der reformierten Kapelle auf dem Bürgenstock, eine zweite von 1977 auf dem Friedhof von Stäfa und eine dritte auf seinem eigenen Grab im Garten von Schloss Brestenberg in Seengen.[1]

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt der 1980 vollendete Denkpartner: Der Kopf des Denkers ruht dabei nicht auf dem Hals, sondern wird allein von den auf das Antlitz gestützten Armen getragen.[3] Die Bronzeplastik stand zunächst probeweise auf dem Zürcher Paradeplatz,[3] ehe sie in Stuttgart aufgestellt wurde, wo sie Christoph Blocher so beeindruckte, dass er sie einige Jahre lang auf dem Titelbild des Jahresberichts der EMS-Chemie abdrucken liess. Heute steht die Plastik als Leihgabe eines Immobilien-Magnaten am Stuttgarter Börsenplatz und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt.[5][1]

1981 entstand die Reliefserie Gesichter der Welt: zwölf aus Argentan gegossene Köpfe von je sechs Männern und Frauen mit für bestimmte Weltregionen charakteristischen Physiognomien, begleitet von einer schematischen Weltkarte im Massstab 1:5, die deren vorgesehene Platzierung zeigte.[2]

Limbach porträtierte in Bronze unter anderem den deutschen Chirurgen und Ärztekritiker Julius Hackethal. Er fertigte zudem eine Porträtbüste von Michail Gorbatschow, die von George Bush senior in Auftrag gegeben und Gorbatschow geschenkt wurde; ein darauf basierendes Porträt zierte das Cover der Time-Ausgabe vom 1. Januar 1990 (Man of the Decade).[1]

Bronzeskulptur Der Gitarrenspieler von Hans Jörg Limbach in Hombrechtikon

In Hombrechtikon sind mehrere Werke Limbachs im öffentlichen Raum zu sehen: Auf dem Friedhof steht die Bronzeplastik Sursum corda (deutsch etwa «die Herzen himmelan»), die trotz gegenläufiger Bewegung – Füsse auf der Erde, Herz unterwegs zum Himmel – im Volksmund mitunter fälschlich als fallender Engel bezeichnet wird,[3][1] vor dem Blattensaal die Bronzeskulptur Der Gitarrenspieler.[1] Weitere Arbeiten mit religiösen und historischen Motiven sind Gebet, Schwur und das Relief Kreuz der Welt;[3] im Garten seines Ateliers am Lützelsee standen unter anderem Zwei Mädchen, Die Tänzerin und Der Schäfer.[3]

Zu seinem Frühwerk zählen die Gemälde Der Zweifler (1949) und Bridge over Pond (1954).[6]

Limbachs von Untergangsvisionen geprägte Weltsicht, die später im Buch Kosmozid kulminierte, zeigt sich auch in einer bis heute umstrittenen Bronzeplastik von 1984 beim Gemeindehaus («Landihaus») von Berg am Irchel, einem Geschenk des Unternehmers Gerrit van Riemsdijk anlässlich der 400-Jahr-Feier der Gemeinde.[7]

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl)

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  • 1962: Totentanz. Bei der reformierten Kapelle, Bürgenstock
  • 1977: Totentanz. Friedhof Stäfa
  • 1980: Denkpartner. Zunächst Paradeplatz, Zürich; heute Börsenplatz, Stuttgart
  • 1981: Gesichter der Welt (Reliefzyklus)
  • 1984: Bronzeplastik, Gemeindehaus (Landihaus), Berg am Irchel
  • Der Gitarrenspieler. Beim Blattensaal, Hombrechtikon
  • Sursum corda. Friedhof Hombrechtikon
  • Gebet, Schwur, Kreuz der Welt (Reliefs bzw. Plastiken)
  • Zwei Mädchen, Die Tänzerin, Der Schäfer. Garten des Ateliers, Lützelsee, Hombrechtikon
  • Totentanz (drittes Exemplar). Grabmal Limbach, Garten Schloss Brestenberg, Seengen

Publikation

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  • Hans Jörg Limbach: Cosmocide – Kosmozid – Cosmocidio. Rosch Verlag, Zürich 1989, ISBN 3-908022-01-0.

Literatur

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  • Friedrich Witz: Hans Jörg Limbach. Überblick über das künstlerische Schaffen eines international wirkenden Schweizer Bildhauers. ABC Verlag, Zürich 1971.
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Commons: Hans-Jörg Limbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Hans Jörg Limbach. In: Sikart
  • Giorgio Girardet: Weltruhm auch ohne Wikipedia – Der Jahrhundertkünstler aus Hombrechtikon. In: Ährenpost, Gemeindemagazin für Hombrechtikon und Feldbach, Ausgabe 4/2019, S. 23–25 (PDF)
  • Annelies Lüthy: Dolly und Hans Jörg Limbach. In: Ährenpost, Informationsblatt der Gemeinde Hombrechtikon, Nr. 2, 5. Jahrgang, 24. Februar 1984, S. 9–12 (PDF)

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Giorgio Girardet: Weltruhm auch ohne Wikipedia – Der Jahrhundertkünstler aus Hombrechtikon. In: Ährenpost, Gemeindemagazin für Hombrechtikon und Feldbach, Ausgabe 4/2019, S. 23–25 (PDF).
  2. 1 2 3 4 5 Lot 210, LIMBACH, HANS JÖRG – Gesichter der Welt. Dobiaschofsky Auktionen, abgerufen am 13. Juli 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Annelies Lüthy: Dolly und Hans Jörg Limbach. In: Ährenpost, Informationsblatt der Gemeinde Hombrechtikon, Nr. 2, 5. Jahrgang, 24. Februar 1984, S. 9–12 (PDF).
  4. Erinnerungen an Bruno Stefanini: Neuer Film läuft auch im Thurgau. Thurgaukultur.ch, abgerufen am 13. Juli 2026.
  5. Hans-Jörg Limbach: Denkpartner, 1980. Landeshauptstadt Stuttgart, abgerufen am 13. Juli 2026.
  6. Limbach, Hans Jörg. Kunstfund.ch, abgerufen am 13. Juli 2026.
  7. Gabriele Spiller: Eine Skulptur, die Fragen aufwirft. In: Tages-Anzeiger, 7. September 2015 / Der Landbote, 7. September 2015.