’s Bimmelbahnel

Lied, dessen Text in osterzgebirgischer Mundart und Komposition der Mundartsänger und -dichter Max Nacke (1893–1958) 1935 schuf
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Das Lied ’s Bimmelbahnel (original, auch Is Bimmelbahnel, neuere Versionen auch De Bimmelbah, seit Mitte der 1980er Jahre auch Altenberger Bimmelbah(n)) ist ein Lied, dessen Text in osterzgebirgischer Mundart und Komposition der Mundartsänger und -dichter Max Nacke (1883–1958) 1935 schuf und der Müglitztalbahn, vor allem dem oberen Abschnitt zwischen Bärenstein (heute Stadtteil von Altenberg) und Altenberg (Erzgebirge) gewidmet ist. Durch seine einfache Struktur, den markanten Beginn des Refrains: „Alte gute Bimmelbah“ und auch den lautmalerischen Refrainabschluss durch die Worte „Kummt, ihr Leite, schiebt ä bissel“ (in Wiederholung) gehörte es bereits kurz nach seiner Entstehung zum Liedgut des gesamten Erzgebirges und machte vor allem den Begriff des bzw. der Bimmelbah(nel) für eine Schmalspurbahn im sächsischen Raum und darüber hinaus im Alltagsgebrauch populär.

Geschichte

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Der „singende Wirt“ der Gaststätte „Altes Raupennest“ am Nordhang des Kahleberges oberhalb der Bergstadt Altenberg im Osterzgebirge, Max Nacke, war betroffen, als um 1934 bekannt wurde, dass die Schmalspurbahn von Heidenau nach Altenberg von Schmalspur (750 Millimeter) auf Normalspur umgespurt und eine in weiten Teilen neue Streckenführung erhalten sollte. Dagegen sprach sich zwar neben anderen auch der Landesverein Sächsischer Heimatschutz aus, der 1934 unter anderem das Gesetz gegen die Verschandelung von Natur und Landschaft (Sächsisches Heimatschutzgesetz) durchgesetzt hatte. Andererseits war die Streckenführung, unabhängig von der Umspurung, spätestens seit dem schweren Hochwasser im Osterzgebirge 1927 dringend verbesserungsbedürftig: Hier zeigte sich, dass diese Gebirgsstrecke in keiner Hinsicht den nötigen Hochwasserschutz aufwies, von deren betrieblichen Problemen (allein etwa 275 ebenerdige ungesicherte Bahnübergänge auf einer Streckenlänge von etwa 41,5 Kilometern (von Heidenau bis Altenberg)) und den dadurch bedingten ausgesprochen häufigen Unfällen abgesehen.[1]

Der Altenberger Wirt wollte dieser Schmalspurbahn, diesem Bimmelbahnel, wie sie liebevoll von der Bevölkerung genannt wurde,[2] ein musikalisches Denkmal setzen, denn auch die Gefahr einer vollständigen Einstellung und Ersatz durch den aufkommenden Kraftverkehr (im Personenverkehr durch die „Kraftverkehr Osterzgebirge“ (KVG Osterzgebirge)) bestand, denn diese wurde parallel 1934/1935 mit Förderung durch den NS-Staat gleichfalls energisch vorangetrieben.[3]

1935 war Premiere seines Liedes, es wurde sofort populär und wurde neben den Aufnahmen seines Trios unter anderem auch von dem der Geschwister Caldarelli noch im gleichen Jahr auf Schallplatte aufgenommen und unter verschiedenen Labels vermarktet.

Liedstruktur

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Das fünfstrophige Lied beschreibt die Bahn als Freund, lässt eine Frau aus dem späteren Altenberger Ortsteil Bärenstein zu Wort kommen und schließt mit zwei Strophen ab, deren letzte fast eine Art „Haustier“ beschreibt. Der Refrain selbst – abgesehen von dem lautmalerischen Teil – beschreibt die Fahrt von Geising nach Altenberg, der darin erwähnte „Neifang“ ist das bereits seit 1472 bestehende, inzwischen aber aufgegebene Bergbaugebiet des „Neufang“ nordöstlich der Altenberger Pinge, heute Bestandteil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.

Der einfache Text, insbesondere der Lied-Refrain, die einfach zu singende Melodie mit einem Tonumfang von einer Oktave in C-Dur im 4/4-Takt, hauptsächlich auf Halb- und Viertelnoten basierend und vor allem der lautmalerische Abschluss des Refrains „Kummt ihr Leite, schiebt ä bissel, kummt ihr Leite, schiebt ä bissel, kummt ihr Leite schiebt ä bissel, schiebt, schiebt!“ machten das Lied sofort populär, auch ohne die Zitherbegleitung, die Anton Kramer verfasste.

Strophe eins beschreibt den Freund, also das Bahnel selbst (mit einem sehr melancholischem Unterton, was die damals auch erwartete Einstellung reflektiert und bis heute die Entstehungsgeschichte des Liedes ist), Strophe 2 und 3 sind „Mienel“ (vom Vornamen Hermine abgeleitete allgemeine erzgebirgische Bezeichnung für eine alleinstehende ältere Frau, die meist als „Butenfraa“ („Botenfrau“) einen kargen Lohn mit Handelsdiensten erwarb) gewidmet und ihrem Weg von Bärenstein nach Altenberg und folgt dem damals bereits deutschlandweit bekanntem Witzwort „Muss mich sehr beeilen heut’ ./. hab zum Fahren keine Zeit“[4] in Nackescher Ausschmückung, während Strophe 4 und 5 Beobachtungen aus dem Fahr- und Betriebsdienst schildern – und dass das „Bahnel“ dem rotbemützten Stationsvorsteher, quasi wie ein Haustier, selbst ins Wasser folgen würde.

Trotz der zahlreichen Querelen wurde stets einerseits am Neubau der Müglitztalbahn in Vollspur, wie die Regelspur damals genannt wurde, festgehalten. Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz setzte sich andererseits mit einer ortstypischen Gestaltung der Neubau-Strecke durch, die noch heute, wie 1939 eröffnet, vorhanden ist und nunmehr unter Denkmalschutz steht. Die Strecke selbst wurde zwischen Heidenau und Geising unter mehrfacher Änderung der Planungen der künftigen Streckenführung schließlich mit 70 km/h Streckengeschwindigkeit, zwischen Geising und Altenberg mit 60 km/h Streckengeschwindigkeit gebaut und 1939, bis heute streckenseitig unverändert, freigegeben.[5]

Trotz zahlreicher Verbesserungen verblieb es allerdings beim Status einer Nebenbahn, wenn auch mit „hauptbahnähnlichem Charakter“,[5] was bedingte, dass die speziell für diese Strecke entwickelten und gebauten Dampflokomotiven der Baureihe 84 mit Läutewerken ausgerüstet werden mussten[6], mithin es beim „Bimmelbahnel“ trotz Regelspur blieb – bis 1970.[7] Das popularisierte den Text des Liedes zusätzlich, dazu kam 1950 bis 1955 die Wismut AG mit zahlreichen „Fremd-Bergleuten“ und einem eigenen Schichtarbeiterverkehr von Altenberg aus bis Glashütte.[8] Dass dieses inzwischen zum Volkslied gewordene „’s Bimmelbahnel“ durch Max Nacke bis zu seinem Tod 1958 auch durch ihn und sein Trio geradezu „zelebriert“ wurde, ist ebenfalls nachweisbar.

Wenngleich der Originaltitel Veränderungen erfuhr (hauptsächlich durch Umschleifungen, z. B. von ’s auf es, is oder das) oder mit dem weniger bekannten Titel „Kipsdorfer Bimmelbahn“ von 1983[9] „Altenberger Bimmelbahn“ wurde, zeigt dieses Lied in seiner Wirkung bis heute, wie sehr Eisenbahn, Landschaft und Menschen im Erzgebirge im ausgehenden 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine Einheit bildeten.[2]

Literatur

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  • Bernd Kuhlmann: Die Müglitztalbahn Heidenau–Altenberg. Die Zeit der Schmalspur und der Normalspur. Bildverlag Böttger, Witzschdorf, 2012. ISBN 978-3-937496-47-4.
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Einzelnachweise

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  1. Kuhlmann, S. 67, 167–169.
  2. 1 2 Karl-Ernst Maedel: Kapitel ’s Bimmelbahnel in Liebe alte Bimmelbahn, Franck'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1967, ISBN 3-440-03455-0, S. 12–28. Text der Strophen 1 und 4 von ’s Bimmelbahnel in hochdeutsch auf S. 12.
  3. Kuhlmann, S. 56.
  4. „Kleinbahn-Idyll von Einst“, Gedicht veröffentlicht am 9. Juli 1914, zitiert nach HANOMAG (Hrsg.): Die Lokomotive in Kunst, Witz und Karikatur anlässlich der Übergabe der 10.000. gebauten Lokomotive. Hanomag-Nachrichten, Hannover-Linden, 1922, S. 87.
  5. 1 2 Kuhlmann, S. 117.
  6. Kuhlmann, S. 137–141.
  7. Der Traktionswechsel begann bei dieser Nebenbahn sehr früh, nämlich bereits 1967, zog sich jedoch zunächst hin. Ab 1970 wurden alle planmäßigen Züge mit Diesellokomotiven bespannt. Kuhlmann, S. 155–157.
  8. Kuhlmann, S. 175.
  9. Ausschnitt aus der MDR-Sendung "Unterwegs in Sachsen - Mit Winterdampf durchs Osterzgebirge" im Februar 2019 mit dem Lied von Erich Wunderwald auf youtube.com, abgerufen am 8. April 2026.